8 Beachtenswert Schaber gelingt damit ein Turnaround, der selten sichtbar wird – der Turna- round der gesunden Integration. Er schafft ein Unternehmen, das nicht aus Einzelteilen besteht, sondern aus einem gemeinsamen Verständnis von Leistung und Qualität. Wenn Wachstum zyklisch wird: Die Glasfaser-Phase Viele Unternehmer suchen nach einem großen Projekt. Schaber baut ein zwei- tes. Im Glasfasermarkt, einem Bereich, der stabil wirkt, aber im Kern hochgra- dig zyklisch ist, gelingt ihm erneut ein rasanter Aufbau. Sein Glasfaserunter- nehmen wächst innerhalb weniger Jahre auf über 200 Millionen Euro Umsatz. Doch dann kippt der Markt. Endkunden zögern angesichts funktionierender Kupferleitungen, Netzbetreiber verlang- samen Ausbauprogramme, die Außen- stände wachsen. Die Branche rutscht in eine Phase zahlreicher Insolvenzen. Für Schaber ist das kein Grund zur Panik, sondern ein weiterer Moment der Neujustierung. Er verlagert den Fokus vom Wachstum zur Stabilisierung, schafft Transparenz in den Strukturen und führt das Unternehmen durch eine Phase, die andere nicht überstehen. Auch hier zeigt sich sein Grundprinzip: Ein Turnaround gelingt nur, wenn man den Markt akzeptiert, wie er ist – nicht, wie man ihn gerne hätte. Der persönlichste Turnaround: Loslassen als unternehmerische Leistung Der Übergang in der Führung eines Unternehmens ist einer der unter- schätztesten Transformationsmomente überhaupt. Schaber bereitet ihn über Jahre vor. Als er 2022 die operative Füh- rung der DATAGROUP an Andreas Bar- esel übergibt, tut er etwas, das viele Unternehmer zwar planen, aber selten konsequent umsetzen: Er zieht sich nicht nur formal zurück, sondern ver- lässt das operative Umfeld. Er will nicht „vom Balkon aus kom- mentieren“, wie er selbst sagt. Er will eine echte Übergabe – nicht eine, die 4 // 2025 im Alltag ständig korrigiert oder unter- laufen wird. Dieser Schritt ist nicht nur kluge Governance, sondern ein persön- licher Turnaround: vom Gestalter zum Ermöglicher. Es ist eine Leistung, die selten gewür- digt wird, aber im Mittelstand oft über Erfolg oder Scheitern entscheidet. Der strategische Sprung: KKR und die nächste Entwicklungsstufe Der jüngste Wendepunkt ist der Ein- stieg von KKR, der den Weg für die europäische Zukunft des Unterneh- mens ebnen soll. Für Schaber bedeutet dieser Schritt nicht Rückzug, sondern Erweiterung. Seine Familie erhält finanzielle Sicherheit, das Unterneh- men gewinnt neues Kapital und strate- gisches Gewicht. Zugleich entsteht die Chance, DATAGROUP aus den Be- schränkungen der Börse herauszufüh- ren und internationaler auszurichten. Dieser Schritt zeigt erneut, wie Schaber denkt: Turnaround bedeutet nicht nur die Rettung eines Unternehmens in der Krise, sondern auch die Fähigkeit, rechtzeitig einen strategischen Wechsel einzuleiten, bevor Strukturen zur Bremse werden. Ein Lebenswerk als Anleitung für die Zukunft des Mittelstands Was macht Schaber zum Role Model? Es ist nicht ein einzelner Erfolg, nicht ein Produkt, nicht ein spektakulärer „ Ich will nicht „vom Balkon aus kommentieren“. Ich will eine echte Über- gabe – nicht eine, die im Alltag ständig korrigiert oder unter- laufen wird. “ Exit. Es ist die stetige, ruhige Fähigkeit, sich immer wieder neu auszurichten. Er hat gelernt, aus Krisen Kapital zu machen, aus Fehlern Haltung, aus Wen- depunkten Perspektiven. Seine Geschichte zeigt, dass Turna- round keine Technik ist, sondern eine unternehmerische Disziplin. Sie beginnt mit Beobachtung, setzt Mut voraus, ver- langt Ehrlichkeit und belohnt jene, die bereit sind, Strukturen neu zu denken. Wenn man Schaber fragt, was er kom- menden Generationen mitgeben möchte, kommt eine Antwort, die nicht aus dem Lehrbuch stammt, sondern aus dem Leben: „Kopf hoch, wenn der Hals auch dre- ckig isch.“ Es ist ein Satz, der genau das ausdrückt, was Turnaround im Kern ist: eine Frage der Haltung.