27.10.2018 | Dr. Hartmut Krause

Der Boom hält an – wie lange noch?

Standpunkt

Trotz einer leichten Beruhigung im Sommer hat sich der deutsche M&A-Markt im dritten Quartal 2018 weiter auf hohem Niveau bewegt. Insgesamt gab es 433 Deals mit Beteiligung deutscher Unternehmen, das Transaktionsvolumen bezifferte sich auf 25,5 Mrd. USD. Die Zahlen sind im Vergleich zu den vorangegangenen Quartalen allerdings rückläufig und zeigen, dass die Luft im Bereich der Mega-Deals etwas dünner wird. Dennoch ist der deutsche Markt noch immer sehr in Bewegung. Strategen wie Finanzinvestoren haben Geld, Fremdkapital ist günstig, die Märkte sind stabil, und Anleger fordern mehr als nur organisches Wachstum – das ergibt einen Cocktail, der das M&A-Geschehen trotz bestehender geopolitischer Unsicherheiten antreibt.

Mit der untersagten Übernahme des Maschinebauers Leifeld durch einen chinesischen Konzern und dem verhinderten Einstieg eines chinesischen Investors beim Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz richten sich die Blicke verstärkt auf die Einflussnahme der Bundesregierung. Die Außenwirtschaftsverordnung soll verschärft werden, um sogenannte „Schlüsseltechnologien“ besser vor Übernahmen zu schützen. Die Bundesministerien stimmen einen Gesetzesentwurf ab, der darauf abzielt, die Schwellenwerte, die das Recht der Regierung auf Einleitung eines Genehmigungsverfahrens auslöst, von 25 auf 10% zu senken. Chinesische Investoren sind deshalb verunsichert, auch wenn Experten erwarten, dass Interventionen wie bei 50Hertz die Ausnahme bleiben. Da die chinesische Regierung in bestimmten Sektoren bekanntlich die globale Technologieführerschaft anstrebt, dürften weitere Investitionen auch in Deutschland folgen.

Im regulatorischen Bereich spielt die kartellrechtliche Prüfung von Transaktionen weiterhin eine Rolle. Die Behörden greifen verstärkt in den M&A-Markt ein. Am Beispiel der Fusion von Linde mit Praxair zeigt sich, wie kartellrechtliche Auflagen das M&A-Geschehen bremsen können. Global betrachtet handelt es sich aber lediglich um ein Prozent aller Fusionen und Übernahmen, die nur unter Auflagen freigegeben werden. Inwieweit der näher rückende Brexit die M&A-Aktivitäten beeinflussen wird, bleibt abzuwarten. Solange nicht endgültig feststeht, dass es im Frühjahr 2019 zu einem harten Brexit kommt, bleibt vieles Spekulation. Bisher jedenfalls konnte die Unklarheit über die Folgen des Ausstiegs Großbritanniens aus der EU den M&A-Aktivitäten in Deutschland nichts anhaben.

So lässt sich feststellen, dass die Rahmenbedingungen im Kern positiv bleiben, auch wenn geopolitische und regulatorische Risiken sowie eine näher rückende Zinswende nicht völlig außer Acht gelassen werden dürfen. Doch allen Ungereimtheiten zum Trotz ist die Stimmung unter den Unternehmern positiv, die Aktionäre sind weiter sehr offen für Übernahmen und Fusionen. Bislang gibt es keine Faktoren, die eine abrupte Änderung der Lage erwarten ließen.

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