Konsortium um Allianz schließt Übernahme von Viridium ab
Die Übernahme der Viridium Gruppe durch ein Konsortium unter der Führung von Allianz, BlackRock und T&D Holdings, wobei Generali Financial Holdings weiterhin Investor bleibt und Santander Insurance sowie PG3 später beitreten, unterstreicht die Konsolidierungstendenzen im europäischen Lebensversicherungsmarkt.
Die Übernahme der Viridium Gruppe durch ein Konsortium unter der Führung von Allianz, BlackRock und T&D Holdings, wobei Generali Financial Holdings weiterhin Investor bleibt und Santander Insurance sowie PG3 später beitreten, unterstreicht die Konsolidierungstendenzen im europäischen Lebensversicherungsmarkt.
Der deutsche Lebensversicherungsmarkt gilt mit über 80 Anbietern als stark fragmentiert. Athora-CEO Mike Wells sprach zuletzt von „guten Chancen für Konsolidierungen“ in Deutschland. Auch Viridium-CEO Tilo Dresig betonte, der Markt sei „immer noch überfragmentiert“. Die Branche leidet unter schwachem Neugeschäft, hohen Kosten, alten IT-Systemen und Regulierung (Solvency II, DORA). Run-off-Plattformen wie Viridium übernehmen Bestände, bündeln Verwaltung und schaffen Skaleneffekte. Experten erwarten mindestens eine Run-off-Transaktion pro Jahr.
Am 19. März 2025 wurde der Verkauf von Viridium durch Cinven bekannt gegeben. Das Transaktionsvolumen beträgt rund 3,5 Mrd. EUR; der Abschluss erfolgte am 1. August 2025. Allianz übernimmt dabei rund 25% der Anteile, Generali hält weiterhin 10%, T&D wird größter Anteilseigner. Hannover Rück, seit Gründung beteiligt, reduziert ihre Position und scheidet Ende September aus, ersetzt durch Santander Insurance und PG3. Die BaFin stimmte im Juli 2025 zu.
Viridium wurde 2014 nach dem Erwerb von Heidelberger Leben durch Cinven gegründet und wuchs durch Akquisitionen wie Skandia Deutschland und Generali Leben (heute Proxalto). Heute verwaltet Viridium rund 3,3 Mio. Verträge mit Kapitalanlagen von 68 Mrd. EUR. Mit 5% Marktanteil zählt Viridium zu den Top 5 in Deutschland und ist der zweitgrößte Bestandsspezialist Europas. Mit 900 Mitarbeitern erzielte Viridium 2024 einen Gewinn von 361 Mio. EUR bei einer Solvency-II-Quote von 270%.
Motivation der Beteiligten
Cinven: Steigt nach über zehn Jahren aus. Das PE-Haus stand unter Druck nach Kritik der BaFin im Zusammenhang mit der Eurovita-Krise und dem geplatzten Zurich-Deal.
Allianz: Will ihre Position im Run-off-Markt stärken, ohne eigene Bestände abzugeben. CEO Oliver Bäte schloss Verkäufe eigener Policen aus.
BlackRock: Erwartet stabile Cashflows und Zugang zu alternativen Investments.
Generali: Bleibt Minderheitsaktionär und verknüpft Eigeninteresse mit Konsolidierungsrolle.
T&D Holdings: Wird größter Anteilseigner, diversifiziert international und hat bereits Engagements bei Fortitude Re sowie Nürnberger Versicherung.
Neue Struktur: Mit Allianz, BlackRock und T&D entsteht eine langfristige Eigentümerbasis mit regulatorischer Akzeptanz.
Viridium betreibt ausschließlich Run-off, also Verwaltung geschlossener Bestände, ohne Neugeschäft. Vorteile: keine Abschlussprovisionen, Effizienz und eine moderne IT-Plattform (750 Mio. EUR Investition).
Ziel: Policen attraktiver machen, Renditen sichern, Altersvorsorge stärken.
Auswirkungen & Ausblick
Der Deal ist der größte Run-off seit Jahren. Dresig sprach von einem „Neustart“: Viridium könne wieder Zukäufe tätigen, auch in Frankreich. Für die Branche signalisiert die Transaktion eine Abkehr von Private-Equity-Dominanz hin zu langfristig orientierten Investoren [6]. Das dürfte weitere Deals auslösen, da Versicherer Altbestände abgeben möchten. Für Kunden bringt die neue Struktur mehr Stabilität und bessere Verwaltung, trotz hoher Beschwerdequoten.
EMERGERS-Autoren: Florian Melzer & Simon Raffler