12.03.2026

SaaS unter Druck – Wie KI das Erfolgsmodell privater Kapitalgeber bedroht

Trotz der rasanten Weiterentwicklung von KI-Produkten wie ChatGPT von OpenAI, Claude von Anthropic oder Googles Gemini haben Investoren erst seit Kurzem begonnen, deren Auswirkungen auf Softwareunternehmen systematisch zu bewerten – eine Branche, die insbesondere für Private-Credit- und Private-Equity-Investoren lange als Kronjuwel galt.

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Trotz der rasanten Weiterentwicklung von KI-Produkten wie ChatGPT von OpenAI, Claude von Anthropic oder Googles Gemini haben Investoren erst seit Kurzem begonnen, deren Auswirkungen auf Softwareunternehmen systematisch zu bewerten – eine Branche, die insbesondere für Private-Credit- und Private-Equity-Investoren lange als Kronjuwel galt. Wiederkehrende Umsätze, asset-light Geschäftsmodelle und eine hohe Cash-Conversion galten als Idealprofil für Eigen- wie Fremdkapitalgeber. Doch was geschieht, wenn diese starke Marktposition zunehmend durch günstige, flexible und immer leistungsfähigere KI-Systeme herausgefordert wird?

Mit der Veröffentlichung von Claude Opus 4.6, dem neuesten Modell von Anthropic, rückte diese Fragestellung verstärkt in den Fokus der Investoren. Das Modell erweitert insbesondere die Möglichkeiten zur Analyse von Finanzdaten, zum Research sowie um weitere Funktionen. Dazu zählen etwa Claude Code und Cowork, mit denen Nutzer auch ohne Programmierkenntnisse Software entwickeln können, sowie zahlreiche Plug-ins – unter anderem für PowerPoint –, die auf Basis weniger Eingaben vollständige Präsentationen erstellen. Damit geraten insbesondere SaaS-Anbieter direkt unter Wettbewerbsdruck, da KI-gestützte Lösungen zunehmend klassische Softwareprodukte ersetzen. Diese Entwicklung spiegelte sich auch an den Kapitalmärkten wider: In der Handelswoche ab dem 30. Januar verloren Softwareunternehmen rund 400 Mrd. US-Dollar an Marktkapitalisierung, davon allein knapp 200 Mrd. US-Dollar bei Microsoft.

Die Herausforderung beschränkt sich jedoch nicht auf börsennotierte Unternehmen, sondern betrifft auch die Portfolios von Private-Capital-Investoren. Im vergangenen Jahr entfielen rund 9 % der von Sponsoren gehaltenen Assets auf Softwareunternehmen. Noch ausgeprägter ist die Abhängigkeit im Private-Credit-Segment: Dort stellen Softwareunternehmen etwa 17 % der Schuldner aus und machen mehr als ein Fünftel des gesamten Markt-Exposures aus. Das SaaS-Modell war lange Zeit besonders attraktiv: Wiederkehrende Umsätze sorgten für stabile, häufig wachsende Erträge, geringe Investitionsbedarfe und hohe Margen. Die daraus resultierende starke Cash Conversion machte Softwareunternehmen vor allem für Kreditgeber interessant.

Während sich die konkreten Auswirkungen auf die Investorenportfolios erst mit zeitlicher Verzögerung vollständig zeigen dürften, sind erste Markteffekte bereits sichtbar. So verloren die Aktien von BDCs (Business Development Companies) privater Asset-Manager wie Oaktree, Ares und Golub Capital seit Jahresbeginn rund 5 % bis 8 % an Wert. Besonders deutlich fiel die Korrektur bei dem Private-Credit-Manager Blue Owl Capital aus, dessen Aktie in der vergangenen Woche um rund 17 % nachgab.

Private Asset Manager selbst relativieren bislang den Bedrohungsgrad, den KI für die Geschäftsmodelle ihrer Portfoliounternehmen darstellt. Technologieunternehmen gelten weiterhin als die wachstumsstärksten und profitabelsten Assets. Viele Marktteilnehmer sehen in der aktuellen Disruption eher neue Chancen als Risiken: Weniger attraktive Unternehmen könnten laut Ares künftig durchaus interessante Opportunistic-Credit- oder Secondaries-Investments darstellen. Neben KKR, Ares und Carlyle zeigt sich auch Brookfield überwiegend optimistisch. CEO Connor Teskey bewertet KI vor allem als Wachstumstreiber – insbesondere die stark steigende Nachfrage nach digitaler Infrastruktur lasse Datencenter und Energieversorger zu zentralen Profiteuren dieser Entwicklung werden.

EMERGERS-Autor: Etienne Reichelt

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