05.10.2026 | Founding GTM Marcel Nawrath

Vom digitalen Werkzeug zum durchgängigen Bauprozess

Die Bauwirtschaft ist in den vergangenen Jahren deutlich digitaler geworden. Digitale Werkzeuge gehören vielerorts zum Alltag, doch von durchgängigen Prozessen sind wir noch ein gutes Stück entfernt. Auf Baustellen und in der Verwaltung bestimmen weiterhin Lieferscheine, Aufmaße und Mängellisten auf Papier den Ablauf.

Standpunkt

Die Bauwirtschaft ist in den vergangenen Jahren deutlich digitaler geworden. Digitale Werkzeuge gehören vielerorts zum Alltag, doch von durchgängigen Prozessen sind wir noch ein gutes Stück entfernt. Auf Baustellen und in der Verwaltung bestimmen weiterhin Lieferscheine, Aufmaße und Mängellisten auf Papier den Ablauf. Alte und neue Arbeitsweisen bestehen nebeneinander. Hinzu kommt fehlendes Fachwissen: Laut der PwC-Studie 2026 zur deutschen Bauindustrie nennen drei Viertel der befragten Unternehmen mangelndes Know-how als größte Herausforderung bei der Digitalisierung.

Die Aufgabe besteht deshalb nicht allein darin, weitere Software einzuführen. Entscheidend ist, Brüche zwischen Systemen zu schließen und vorhandene Anwendungen konsequent zu nutzen. Informationen werden mehrfach erfasst, aus Papierunterlagen in Programme übertragen oder zwischen Anwendungen manuell weitergegeben. Das kostet Zeit und erhöht das Fehlerrisiko. Der Hebel liegt darin, vorhandene Lösungen zu einem durchgängigen Informationsfluss zu verknüpfen.

Dafür müssen Daten zu Mengen, Materialien, Bauteilen und Kosten über einzelne Arbeitsschritte hinaus nutzbar bleiben. Sie sollten ein Gebäude von der Planung über Bau und Betrieb bis zu Umbau und Rückbau begleiten. Building Information Modeling (BIM) kann hierfür eine Grundlage schaffen. Sein Nutzen hängt jedoch davon ab, ob die Informationen verlässlich, strukturiert und zwischen den Systemen austauschbar sind.

Bei knappen Terminen und engen Budgets zählt das besonders. Schwankende Materialpreise, unsichere Lieferketten und begrenzte Verfügbarkeiten verlangen, Mengen genau zu kennen, Bedarfe frühzeitig zu erkennen und Alternativen zu bewerten. Gute Daten helfen, wirtschaftliche Risiken zu begrenzen und Ressourcen gezielter einzusetzen. Wer weiß, welche Materialien in einem Gebäude verbaut sind, in welcher Menge und in welchem Zustand, kann ihre Wiederverwendung oder ihr Recycling ökologisch wie wirtschaftlich bewerten. Hier greifen Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft ineinander.

Damit verändert sich die Rolle von Daten: Über die Dokumentation hinaus werden sie zur Grundlage für operative und strategische Entscheidungen. Auch bei der Bewertung eines Bauunternehmens wird relevant, wie gut es seine Daten erfasst, verknüpft und zur Projektsteuerung nutzt.

Zusätzliche Möglichkeiten eröffnet der Einsatz künstlicher Intelligenz. KI kann große Datenmengen auswerten, Informationen ordnen, Zusammenhänge erkennen und Entscheidungen vorbereiten. Ansatzpunkte bieten sich bei Kalkulation, Mengenprüfung, Terminplanung, Risikobewertung und Bestandsanalyse. Besonders geeignet sind wiederkehrende Aufgaben mit klar definierten Abläufen. Voraussetzung bleibt eine belastbare Datengrundlage: Unvollständige, veraltete oder verstreute Informationen werden nicht allein dadurch verlässlich, dass ein Algorithmus sie verarbeitet. Mit KI steigen deshalb die Anforderungen an Datenqualität und digitale Strukturen.

Zugleich kann KI den Zugang zu Informationen erleichtern. Was heute mühsam gesucht und zusammengetragen wird, lässt sich schneller für konkrete Fragestellungen erschließen. Die Entscheidung und die fachliche Verantwortung bleiben beim Menschen. Er muss Ergebnisse prüfen, einordnen und im Projektkontext bewerten.

Über den Erfolg der Digitalisierung entscheidet am Ende, ob sie im Arbeitsalltag ankommt. Ihr Potenzial entfaltet sie, wenn durchgängige digitale Prozesse vom Planen über das Bauen bis zum Betreiben so selbstverständlich werden wie Bauplan und Zollstock.

Diesen Zusammenhang greifen wir beim M&A REVIEW Forum Bauwirtschaft & TGA am 11. November 2026 im Circle Cube in Offenbach auf. Dort diskutieren wir, wie digitale Gebäudedaten und KI die Steuerung und Bewertung von Bauunternehmen verändern können.

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