heute wären viele soziale, kulturelle und bildungspolitische Initiativen in Deutschland ohne dieses Engagement undenkbar.“ So ist es für sie eine Selbst- verständlichkeit, anderen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, wenn es um erfolgreiches Stiften geht. Zum kleinen Einmaleins der Stiftungs- gründung zählt die Verhältnismäßig- keit zwischen Mittelausstattung und Zweckerfüllung, zwischen Stiftungska- pital und den daraus erwirtschafteten Erträgen, mit denen der Satzungszweck erfüllt werden soll. Bei großen Vermö- gen und Hochzinsphasen kein Problem. Aber es geht auch anders: „Wir haben die Stiftung meines Vaters mit 50.000 Euro, dem Preisgeld des Right Liveli- hood Awards, dem Alternativen Nobel- preis, den mein Vater 1997 in Stock- holm erhielt, gegründet. Dass dieser Kapitalstock nicht reicht, um die Welt zu retten, war uns natürlich von Anfang an klar. Ebenso klar war uns aber auch, dass wir von Beginn an um Unterstüt- zung werben müssen und wollen – stra- tegisch, professionell und langfristig“, berichtet Kathrin Succow von der Grün- dung der gemeinnützigen Michael Suc- cow Stiftung für Naturschutz aus dem Jahr 1999. „Mit Fundraising von der ersten Stunde an haben wir inzwischen Rücklagen in Höhe von 3,2 Mio. Euro aufgebaut. Das Spendenvolumen im Jahr 2024 lag bei gut 1,5 Mio. Euro. Die Investition mei- nes Vaters hat sich damit dank Fundrai- sing um ein Vielfaches erhöht, ebenso wie die Wirkung seines Engagements. Eine solche Erfolgsgeschichte war und ist nur mit einem hoch motivierten und gut ausgebildeten Team von inzwi- schen 35 Mitarbeitenden möglich.“ Kein Markt ohne Wettbewerb Fundraising von Anfang in die Planung einer Stiftung einzubeziehen, empfiehlt auch Martin Vierkötter. Aus dem Agen- turalltag kennt er den deutschen Spen- denmarkt und die Stifterlandschaft bes- tens: „In Deutschland gibt es mehr als 26.000 Stiftungen, rund 15.000 davon sammeln Spenden. Hinzu kommen gut 600.000 Vereine, die ebenfalls mehr oder weniger Fundraising betreiben. Damit gibt es sowohl einen beachtli- chen Stiftungs- als auch einen Spen- denmarkt und natürlich: Wettbewerb. Wer auf professionelles Fundraising verzichtet, hat es nicht nur schwer, seine Ziele zu erreichen, sondern ver- passt vor allem die Chance, sein eigenes Engagement durch Multiplikatoren und Stakeholder zu vergrößern. „ In Deutschland gibt es mehr als 26.000 Stif- tungen, rund 15.000 davon sammeln Spenden. Hinzu kommen gut 600.000 Vereine, die ebenfalls mehr oder weniger Fundraising betreiben. “ „Die Stiftungslandschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend gewandelt“, weiß auch Kathrin Succow: „Eine eigene Stiftung ins Leben zu rufen oder in die nächste Generation zu führen, gehörte über Jahrhunderte zum guten Ton; gelebtes Mäzenatentum, Privileg der Gutbetuchten. Weitere finanzielle Mittel einzuwerben, war unter Stiftungen lange Zeit verpönt. Aber tatsächlich über viele Jahre auch nicht nötig“, erklärt Kathrin Succow. Die Haltung zum Stiften und zu Fund- raising hat sich jedoch gewandelt. „Wer heute beispielsweise aus seinem Fami- lienunternehmen heraus eine Stiftung gründen möchte, sollte dies nicht, wie früher üblich, im stillen Kämmerlein im Alleingang entscheiden und umsetzen. Die jüngere Generation erhebt ver- mehrt einen Anspruch darauf, gefragt und eingebunden zu werden“, begrün- det Kathrin Succow. Wissenswert 13 „Wir durchleben gerade eine Transfor- mationszeit auf praktisch allen Ebenen des Lebens: Gesellschaft, Politik und Weltwirtschaft. Da gilt es umso mehr, Zusammenhalt zu leben – auch und gerade im Familienunternehmen als Säule der Gesellschaft. Wer sein Enga- gement erfolgreich gestalten will und über eine Stiftung nachdenkt, sollte den Inner Circle, also die Familie, Berechtigte, Betroffene, einbeziehen. Das verlangsamt zwar zunächst den Prozess der Stiftungsgründung, ist aber auf lange Sicht eine lohnenswerte Investition und die Voraussetzung für ein Engagement, das von allen mitge- tragen wird. Unternehmen und Stiftun- gen haben eines gemeinsam: unterneh- merisches Handeln“, so die Stiftungs- expertin. Eine Stiftung ist kein Beiboot des Unternehmens! Martin Vierkötter hat auf seiner gut zwei Jahrzehnte dauernden Reise durch die Stiftungslandschaft immer wieder feststellen müssen, wie erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer ihr wirtschaftliches Handeln und Den- ken über Bord werfen, wenn es um die eigene Stiftung geht: „Oftmals werden Stiftungen wie ein Beiboot des Unter- nehmens betrachtet. Sie schwimmen so nebenher, den Rechenschaftsbericht übernimmt die Unternehmensverwal- tung und ansonsten passiert nicht so viel. Dabei kann und sollte eine Stiftung mit der gleichen unternehmerischen Expertise geführt werden wie jeder andere Betrieb auch. Kein Unterneh- men würde auf Kommunikation und damit auf Marketing verzichten! Und Fundraising ist genau das: Kommuni- kation auf höchstem Niveau mit dem Ziel, für die gute Sache und das gemein- same Engagement zu werben.“ Über die DFRV-Fachgruppe Stiftungsfundraising Die Fachgruppe Stiftungsfundraising wurde im November 2016 gegründet und widmet sich drei Kernzielen: Qualifikation und Weiterbildung, Lobby-Arbeit in Politik und Öffentlichkeit und Netzwerkarbeit in der Fachwelt. www.dfrv.de/arbeitsgruppen/fachgruppen/stiftung 2 // 2025