10.02.2026 | Prof. Dr. Christoph Schalast

Ausblick M&A 2025/2026: Stehen wir vor der nächsten Welle?

M&A findet nicht im „Vakuum“ statt. Seit mehr als 125 Jahren wird der Markt für Unternehmensübernahmen maßgeblich von der Entwicklung der Kapitalmärkte in den USA geprägt.

Standpunkt

M&A findet nicht im „Vakuum“ statt. Seit mehr als 125 Jahren wird der Markt für Unternehmensübernahmen maßgeblich von der Entwicklung der Kapitalmärkte in den USA geprägt. Darauf basiert auch die von Professor Müller-Stewens entwickelte M&A-Wellentheorie, die in der aktuellen Neuauflage seines Handbuchs M&A fortgeführt wurde.

Ein genauerer Blick auf die vergangenen vier Jahre verdeutlicht die Dynamik: Im Dezember 2021 erreichten die weltweiten M&A-Aktivitäten – mitten in der globalen Pandemie – ein historisches Allzeithoch. Danach verschlechterte sich das Umfeld jedoch grundlegend. Die Zinswende, anhaltende geopolitische Konflikte wie der Angriff Russlands auf die Ukraine und der Nahostkonflikt sowie ein insgesamt schwächeres Wirtschaftswachstum prägten die Jahre 2022 bis 2024. Ein nachhaltiger Aufwärtstrend oder gar eine neue M&A-Welle war nicht erkennbar. Ende 2024 kamen zusätzliche Unsicherheiten hinzu: Die neue US-Administration setzte ihre lange angekündigte Zollpolitik rasch um. Themen wie Deglobalisierung, gefährdete Lieferketten und zunehmende Planungsunsicherheit verstärkten das VUCA-Umfeld – ein schwieriger Rahmen für langfristige Investitionen wie Unternehmensübernahmen.

Trotz dieser eher düsteren Ausgangslage verzeichnete der Markt 2025 gegenüber dem insgesamt enttäuschenden Vorjahr ein weltweites Plus von rund 10%. Dieses Wachstum wurde allerdings nahezu ausschließlich von den USA getragen. Europa entwickelte sich deutlich verhaltener, teilweise sogar rückläufig. Besonders signifikant war der Rückgang im Vereinigten Königreich, das entgegen früherer Erwartungen keine Brexit-M&A-Dividende realisieren konnte. Auch Spanien und insbesondere Frankreich mussten Rückschläge hinnehmen. Überraschend robust zeigte sich hingegen Deutschland, das sich laut mehreren Studien gut behaupten konnte und von einigen Marktbeobachtern sogar wieder auf einem moderaten Wachstumspfad gesehen wird. Das Jahr 2025 macht damit deutlich, dass die großen regionalen Märkte differenziert betrachtet werden müssen.

Bereits absehbar ist, dass das Cross-Border-Geschäft aus den USA nach Europa und Deutschland weiter zurückgehen dürfte. Innerhalb Europas und insbesondere in Deutschland sind die Perspektiven dagegen stabiler. Trotz der Krise im Automotive-Sektor bleibt die klassische Industrie – mit dem Maschinenbau an der Spitze – ein tragendes Fundament. Hinzu kommen Impulse aus Infrastruktur, Defense und Technologie. Exemplarisch dafür steht die ISOPLUS-Transaktion der Viessmann Generations Group, die parallel in zehn europäischen Jurisdiktionen vollzogen wurde.

Laut KPMG Outlook 2026 könnten zudem zahlreiche Projekte, die 2025 aufgeschoben wurden, nun nachgeholt werden – insbesondere im Private-Equity-Segment.

Die Attraktivität des Standorts Deutschland unterstreichen zudem Großtransaktionen wie der Carve-out des globalen Coatings-Geschäfts von BASF an Carlyle oder die Übernahme von STADA. Gleichzeitig steht ein struktureller Treiber bereit: Die Baby-Boomer-Generation erreicht das Ruhestandsalter, wodurch zahlreiche in den letzten Jahrzehnten gegründete Unternehmen vor der Nachfolge stehen. Dies wird die Transaktionsaktivität in den kommenden Jahren spürbar antreiben. Insgesamt sprechen viele Implikatoren dafür, dass das Glas mindestens halbvoll ist und sich für 2026 neue Dynamik abzeichnet. Ergänzend sorgt die Diskussion um eine europäische Superbörse für notwendige Denkanstöße. Und wie spannend der Kapitalmarkt bleibt, zeigt der anhaltende Übernahmeversuch der Unicredit bei der Commerzbank. Private-Equity-Investoren richten ihren Blick dabei verstärkt auf Business Support Services sowie auf neue Konsolidierungsfelder, die in Deutschland noch erhebliches Entwicklungspotenzial bieten.

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