Einblicke in den Gasmarkt – Flexys steigt bei Open Grid Europe ein
Die Ukraine-Krise und die damit verbundenen Sanktionen sorgten im Vergleich zu 2021 für einen Anstieg bei den Gaspreisen für Industriekunden von mehr als 262%. Aus diesem Grund versuchte die Politik in den vergangenen Jahren stark, die Energiesicherheit zu gewährleisten, nicht zuletzt durch den Bau von LNG-Terminals. Im Fokus stehen daher bei vielen Investoren aktuell Energieunternehmen. Ein Beispiel dafür ist die Minderheitsakquisition der Open Grid Europe (OEG), dem größten Ferngasnetzbetreiber in Deutschland, durch das belgische Unternehmen Fluxys.
Die Ukraine-Krise und die damit verbundenen Sanktionen sorgten im Vergleich zu 2021 für einen Anstieg bei den Gaspreisen für Industriekunden von mehr als 262%. Aus diesem Grund versuchte die Politik in den vergangenen Jahren stark, die Energiesicherheit zu gewährleisten, nicht zuletzt durch den Bau von LNG-Terminals. Im Fokus stehen daher bei vielen Investoren aktuell Energieunternehmen. Ein Beispiel dafür ist die Minderheitsakquisition der Open Grid Europe (OEG), dem größten Ferngasnetzbetreiber in Deutschland, durch das belgische Unternehmen Fluxys.
Open Grid Europe, ehemalig Ruhrgas AG, wurde 1926 gegründet und ist seitdem für die Ferngasversorgung in Deutschland zuständig. Als das Unternehmen 2003 durch E.ON akquiriert wurde, entfachte eine deutschlandweite Diskussion über den Verkauf kritischer Infrastruktur an ein börsennotiertes, gewinnorientiertes Unternehmen. Es folgten Jahre der Umstrukturierung, welche 2008 dafür sorgten, dass die E.ON Gastransport Gesellschaft das endgültige Eigentum an dem Netz der E.ON Ruhrgas übernahm, die im Jahr 2010 zur OEG umbenannt wurde. 2012 folgte dann der Verkauf der OGE für rund 3,2 Mrd. EUR an Macquarie, British Columbia Investment Management, den Staatsfonds von Abu Dhabi und die Münchner Rück.
Nach weiteren elf Jahren verfügt Open Grid Europe nun über mehr als 1.450 Mitarbeitende sowie über rund 12.000 Kilometer an Pipelines, welche im Jahr 2022 einen Umsatz von rund 1,6 Mrd. EUR erwirtschafteten. Im Jahr 2022 rückte das Unternehmen dann wieder in das Rampenlicht. Mit Bekanntgeben des Wirtschaftsministers Robert Habecks, für die Unabhängigkeit von Russland LNG-Terminals errichten zu wollen, sicherte sich die OGE die Baugenehmigung für zwei Pipelines in Verbindung zum LNG-Terminal in Wilhelmshaven, welche 2023 fertiggestellt wurden.
Bereits 2021 kamen Gerüchte auf, dass Investoren einen „Exit“ aus der Investition in die OGE suchen würden. Darunter Macquarie, die rund 24% der Anteile an OGE hielten. Diese Entwicklung wurde besonders von einem erhöhten Bewertungsniveau von kritischer Infrastruktur getrieben. Es folgte im Frühjahr des Jahres 2023 der Verkauf aller Anteile Macquaries sowie von rund 0,5% der Anteile der Halifax Regional Municipality für rund 1,440 Mrd. EUR an den belgischen Fernleitungsbetreiber Fluxys. In diesem Kontext teilte Fluxys mit, die Entscheidung in OGE zu investieren, passe perfekt zur Strategie des Unternehmens, getrieben von Dekarbonisierungslösungen sowie der zentralen Rolle des Ost-West-Korridors zwischen Belgien und Deutschland für Fluxys.
Beraten wurde der Käufer auf rechtlicher Seite durch White & Case, während sich die Investmentbank Nomura und die belgische M&A-Boutique Tandem Capital Advisors um die Advisory-Seite kümmerten. Im gleichen Zuge wurde Macquarie juristisch von Linklaters vertreten und engagierte für den Verkaufsprozess die UBS und die hauseigene Advisory-Division Macquarie Capital.
Spannend bleibt, wie Open Grid Europe sowie der neu gewonnene Partner Fluxys die Strategie einer Energiewende umsetzen werden. Spätestens mit dem Abnehmen fossiler Energieträger wird sich der Erfolg dieser Strategie zeigen.
Autoren: Kevin Erhardt & Constantin Ebenberger