Der asiatische M&A-Markt wird derzeit vor allem von Japan und China geprägt. Während China nach geopolitischen und wirtschaftlichen Herausforderungen durch neue regulatorische Reformen wieder an M&A-Aktivität gewinnt, rückt Japan in den Fokus. Dank politischer Stabilität, eines vorteilhaft schwachen Yen und weitreichender Corporate-Governance-Reformen erreichten die Inbound-Investitionen dort ein 18-Jahres-Hoch. Mit einem Transaktionsvolumen von 385,9 Mrd. USD im Jahr 2025, was nahezu einer Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr entspricht, zeigt der Markt eine außergewöhnliche Dynamik. Diese Entwicklung ist mehr als ein zyklisches Phänomen, sondern das Resultat tiefgreifender institutioneller Reformen, die Kapitaleffizienz und Shareholder Value in den Fokus rücken.
Der Rückgang der China-Investitionen seit 2022 aufgrund steigender Compliance-Risiken und schwachen Wachstums führte zu einer massiven Kapitalumschichtung. Japan profitierte von stabilen Rechtsrahmen und den 2023 eingeführten „Guidelines for Corporate Takeovers“ des Ministry of Economy, Trade and Industry (METI). Diese Richtlinien erhöhten den Druck auf Aufsichtsräte, Übernahmeangebote objektiv und im Interesse der Aktionäre zu prüfen. In der Folge stieg der Anteil Japans an den asiatischen M&A-Deals auf über 30% im Jahr 2025. Ein zentraler Wachstumstreiber ist die Initiative der Tokyo Stock Exchange (TSE). Seit 2023 forderte die TSE gelistete Unternehmen auf, Maßnahmen zur Verbesserung ihres Kurs-Buchwert-Verhältnisses (P/B-Ratio) zu ergreifen. Unternehmen mit einem P/B-Wert unter 1,0 mussten detaillierte Pläne zur Steigerung der Kapitaleffizienz vorlegen. Bis 2025 hatten 91% der Prime-Unternehmen reagiert, was den durchschnittlichen P/B-Wert marktweit von 1,1 (2022) auf 1,4 steigerte.
Parallel dazu professionalisierte sich der Aktionärsaktivismus. Die Zahl öffentlicher Kampagnen stieg zwischen 2024 und 2025 um fast 90%. Aktivistische Investoren wie Oasis oder Elliott fordern heute keine kurzfristigen Dividenden mehr, sondern erzwingen die Ausgliederung von Non Core Assets (Carve-outs) bei großen Konglomeraten. Im Jahr 2025 waren etwa 43% der größeren öffentlichen M&A-Transaktionen durch aktivistischen Druck beeinflusst. Das veränderte Umfeld zieht verstärkt globales Private Equity (PE) an, das niedrige Finanzierungskosten und attraktive Bewertungen für Take-Private-Transaktionen nutzt. PE-Deals erzielten in Japan zuletzt marktführende Renditen mit einem durchschnittlichen Multiple von 2,4x auf das eingesetzte Kapital. Zeitgleich weiten heimische Akteure ihre Outbound-Aktivitäten aus, Industrials bildeten dabei mit einem Anteil von 49% am gesamten Dealwert den dominierenden Sektor im Jahr 2025. Die größte Outbound-Transaktion war die angekündigte Übernahme des Infrastruktur-Managers DigitalBridge durch die SoftBank Group für rund 4 Mrd. USD.
Die Normalisierung der Geldpolitik durch die Bank of Japan (BoJ) stellt eine moderate Herausforderung dar. Im Dezember 2025 stieg der Leitzins auf 0,75% und stellte damit das Ende einer stark lockeren Geldpolitik dar. M&A unter japanischen Regionalbanken könnte wachsen, da diese angesichts des Bevölkerungsrückgangs durch Größenvorteile von den höheren Zinsen profitieren wollen. Private Equity bleibt bis 2026 ein Haupttreiber des japanischen M&A-Marktes, während japanische Unternehmen verstärkt ins Ausland expandieren, um ihr Kapital trotz steigender Inlandszinsen produktiv zu nutzen. Dieser Trend festigt Japans Rolle als zunehmend einflussreicher Akteur im globalen Dealmaking und wird sich voraussichtlich auch 2026 weiter fortsetzen.
EMERGERS-Autoren: Simon Schad & Richard Herklotz