Ein gemeinsamer Maßstab für KI in der Due Diligence
Künstliche Intelligenz wird bei immer mehr Transaktionen zum Wertkern – und die klassische Due Diligence stößt an ihre Grenzen. Der BMA-Arbeitskreis Digitalisierung legt dazu einen strukturierten Fragenkatalog vor und stellt ihn dem Markt offen zur Verfügung.
Künstliche Intelligenz wird bei immer mehr Transaktionen zum Wertkern – und die klassische Due Diligence stößt an ihre Grenzen. Der BMA-Arbeitskreis Digitalisierung legt dazu einen strukturierten Fragenkatalog vor und stellt ihn dem Markt offen zur Verfügung.
Wo Produkte, Prozesse oder Geschäftsmodelle eines Zielunternehmens auf KI beruhen, greift der gewohnte Prüfkatalog der technischen Due Diligence zu kurz. Entscheidend sind heute Fragen, die dort selten systematisch gestellt werden: Woher stammen die Trainingsdaten, und wem gehören sie? Sind die eingesetzten Modelle proprietär, quelloffen oder von Dritten lizenziert – und wie belastbar sind diese Abhängigkeiten? Wie autonom agieren KI-gestützte Agenten, und welche Kontrollmechanismen greifen? Und schließlich: Wie ist das Unternehmen für den EU AI Act, die DSGVO und einschlägige Standards aufgestellt? Diese Punkte bestimmen zunehmend Wert, Risiko und Integrationsfähigkeit einer Transaktion.
Vom Insight-Impuls zum Prüfraster
Im Anschluss an die BMA-Insights-Session vom 15. Juni 2026 zur „Due Diligence von KI-Lösungen“ hat der Arbeitskreis Digitalisierung unter Leitung von Dr. Karl Popp die Diskussion in ein konkretes Werkzeug überführt. Das „Due Diligence Questionnaire – AI/ML Capabilities“ (Stand 18. Juni 2026) bildet den gesamten Lebenszyklus einer KI-Lösung ab – von Daten, Modellen, Infrastruktur und MLOps über agentische Systeme, Multi-Agenten-Orchestrierung und Retrieval-Augmented Generation bis hin zu verantwortungsvoller KI, regulatorischer Einordnung und dem Management von Dritt-Anbietern. Der Katalog ist als Frage-Antwort-Raster angelegt und lässt sich unmittelbar in einen Prüfprozess übernehmen.
Der Mehrwert liegt weniger im Umfang als in der Standardisierung. Indem Käufer, Berater und Verkäufer KI-Fähigkeiten entlang derselben Fragen erörtern, entsteht Vergleichbarkeit – zwischen Angeboten, über Prüfteams hinweg und gegenüber dem Vorstand oder Investmentkomitee. Zugleich adressiert der Katalog ausdrücklich jene Themen, die die Praxis gerade erst erreichen und in vielen Datenräumen bislang nur als Schlagwort erscheinen: Autonomiestufen, Guardrails, Nachvollziehbarkeit generativer Antworten und die Governance-Anforderungen des EU AI Act.
Der Fragenkatalog im Überblick. Rund zehn Themenfelder – AI/ML-Strategie und -Komponenten, Legal & Data Handling, Model Development & Execution, Lifecycle & Performance, Agentic AI, RAG, KI-orchestrierte Workflows sowie Ethik, Regulierung und Vendor-Management. Aufbau als direkt verwendbares Frage-Antwort-Raster. Herstellerneutral. Als lebendes Dokument angelegt.
Ein Beitrag zum Marktstandard
Dass der BMA das Ergebnis nicht als internes Papier behält, sondern offen mit der Community teilt, ist Programm: Als gemeinnütziger Verband mit über 400 Mitgliedern versteht er die Weiterentwicklung von Marktstandards als Kernauftrag. Ein Prüfraster für KI-Due-Diligence entfaltet seinen Nutzen erst in der Breite. Der Arbeitskreis lädt daher ausdrücklich dazu ein, den Katalog in konkreten Transaktionen einzusetzen, Lücken zu benennen und ergänzende Fragen beizusteuern – damit das Werkzeug mit der rasanten Entwicklung von KI-Fähigkeiten und ihrer Regulierung Schritt hält.
Der Fragenkatalog steht über den BMA zum Download bereit: https://bm-a.de/news-media-hub/. Rückmeldungen und Ergänzungen nimmt der Arbeitskreis Digitalisierung über die BMA-Geschäftsstelle entgegen.