07.04.2026

Loslassen, ohne aufzugeben: Warum diese Übergabe eines Familienunternehmens mehr war als ein Verkauf – und dafür mit dem M&A Award ausgezeichnet wurde

Wenn ein Familienunternehmen übergeben wird, geht es selten nur um Zahlen. Es geht um Verantwortung, um Menschen – und um die Frage, wie man Zukunft ermöglicht, ohne die eigene Geschichte zu verlieren. Die Übergabe von Hennig an Polifarma Arzneimittel zeigt, wie ein solcher Übergang gelingen kann: nicht als Exit, sondern als Weiterreichen. Und genau dafür wurde die Transaktion mit dem M&A Award ausgezeichnet.

LEBENSWERK

Wenn ein Familienunternehmen übergeben wird, geht es selten nur um Zahlen. Es geht um Verantwortung, um Menschen – und um die Frage, wie man Zukunft ermöglicht, ohne die eigene Geschichte zu verlieren. Die Übergabe von Hennig an Polifarma Arzneimittel zeigt, wie ein solcher Übergang gelingen kann: nicht als Exit, sondern als Weiterreichen. Und genau dafür wurde die Transaktion mit dem M&A Award ausgezeichnet.

Hennig ist ein deutsches familiengeführtes Pharmaunternehmen – geprägt von Tradition, Qualitätsanspruch und einer Unternehmenskultur, in der viele Mitarbeitende seit Jahrzehnten Teil der Geschichte sind.

Polifarma, ebenfalls familiengeführt, ist ein italienisches Pharmaunternehmen, das Hennig schon lange kannte: Über mehr als 20 Jahre war man Partner, hat zusammengearbeitet, sich gegenseitig erlebt – nicht nur in guten Zeiten.

Als Hennig schließlich an Polifarma übergeben wurde, war das deshalb keine klassische Übernahme. Es war eine Entscheidung in einer Phase, in der vieles gleichzeitig zusammenkam – und in der kurzfristige Lösungen oft verführerisch wirken. Doch hier stand etwas anderes im Mittelpunkt: Kontinuität statt Bruch. Entwicklung statt Entwertung. Verantwortung statt reiner Transaktionslogik. Genau diese Haltung war es, die den Ausschlag für die Auszeichnung mit dem M&A Award gab: Nicht weil alles „einfach“ war, sondern weil diese Übergabe gezeigt hat, dass Wachstum und Kultur zusammengehen können – wenn man Menschen und Identität ernst nimmt.

Der Moment, in dem klar wird: So wie bisher geht es nicht weiter

Ein Familienunternehmen zu führen bedeutet, über Jahre hinweg Verantwortung zu tragen: für Mitarbeitende, für Qualität, für Kunden – und für eine Geschichte, die lange vor der eigenen Zeit begonnen hat. Diese Verantwortung endet nicht, wenn es schwierig wird. Sie wird dann größer.

Bei Hennig verdichteten sich mehrere Faktoren zu einem Zeitpunkt, der alles andere als ideal war: persönliche Belastungen der Eigentümer, offene Nachfolgefragen, zunehmender externer Druck. Kein plötzlicher Bruch – eher ein langsames Herantasten an eine Wahrheit, die viele Unternehmerinnen und Unternehmer kennen und lange vor sich herschieben.

Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich fragen muss: Was ist das Beste für das Unternehmen – nicht nur heute, sondern morgen?

Eine Übergabe ist kein Exit

Für die Eigentümerfamilie war früh klar: Diese Entscheidung durfte kein klassischer Verkauf sein. Zu eng war die Verbindung zum Unternehmen, zu groß die Verantwortung gegenüber den Menschen, die dort arbeiteten – viele von ihnen seit Jahrzehnten. Hennig war kein Asset. Es war Teil der eigenen Biografie.

Entsprechend klar waren die Grenzen: kein Kulturbruch, keine erzwungenen Einschnitte, kein Übergang, der das Bestehende entwertet. Gesucht wurde kein Käufer, sondern ein Partner, dem man das Unternehmen anvertrauen konnte. Jemand, der versteht, dass eine Übergabe nicht das Ende ist – sondern ein Weitertragen.

Vertrauen, das nicht verhandelt werden musste

Dass Polifarma schließlich zum richtigen Partner wurde, lag nicht an einem überzeugenden Pitch, sondern an etwas Seltenem im M&A-Kontext: einer etwa20 Jahre gewachsenen Beziehung. Man kannte sich. Man hatte miteinander gearbeitet, sich bewährt, sich respektiert. Werte, Haltung und Verständnis für familiäre Verantwortung waren keine Behauptung, sondern Erfahrung. Die Entscheidung für Polifarma war deshalb weniger eine Auswahl unter Optionen als die bewusste Fortsetzung eines gemeinsamen Weges.

Loslassen heißt nicht, egal zu werden

Die ersten Wochen nach der Entscheidung waren geprägt von Ambivalenz: Erleichterung, weil eine Perspektive da war. Zweifel, weil Loslassen immer auch Kontrollverlust bedeutet. Und die leise Frage, die jede Übergabe begleitet: Wird das, was mir wichtig war, auch anderen wichtig sein?

Die Antwort kam nicht in Form von Versprechen, sondern durch Verhalten: Präsenz vor Ort. Zeit für Gespräche. Offene Türen. Die Bereitschaft, zuzuhören, bevor entschieden wird. Für die Belegschaft – und für die Eigentümerfamilie – war das ein entscheidendes Signal: Dieses Unternehmen sollte nicht „übernommen“, sondern weitergetragen werden.

Entwicklung ohne Entwertung

Dass der neue Eigentümer auf Wachstum setzte, stand nie infrage. Entscheidend war das Wie.

Wertschöpfung entstand nicht durch Einschnitte, sondern durch gezielte Weiterentwicklung:

  • erste Schritte in der Digitalisierung, die Professionalität und Transparenz erhöhten

  • gemeinsame Arbeit an Qualität und Compliance als zentralem Wertversprechen

  • Ausbau von Produktionskompetenzen und Lieferkettenstabilität

  • neue Wege der Kundenansprache – vorbereitet, nicht erzwungen

Für die Übergebenden war wichtig zu sehen: Das Unternehmen blieb sich treu – und entwickelte sich dennoch weiter. Wachstum entstand aus Stabilität, nicht aus Bruch.

Wenn man spürt, dass es richtig war

Es sind oft kleine Momente, die Gewissheit geben: Gespräche auf dem Flur. Mitarbeitende, die wieder Ideen einbringen. Eine veränderte Atmosphäre, in der Angst Platz macht für Zuversicht.

Besonders prägend war zu beobachten, wie schnell Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg entstand. Die Begegnungen zwischen deutschen und italienischen Teams waren nicht von Skepsis geprägt, sondern von Neugier. Man lernte voneinander – fachlich und menschlich. Für die Eigentümerfamilie waren dies die stillen Beweise, dass die Entscheidung richtig gewesen war.

Die schwersten Gespräche sind die wichtigsten

Rückblickend waren es nicht die Vertragsverhandlungen, die den Ton setzten, sondern die offenen Gespräche über das, was schwerfällt: über Verantwortung, über Loslassen, über die emotionale Seite einer Übergabe. Diese Ehrlichkeit schuf Vertrauen – nicht nur zwischen Käufer und Verkäufer, sondern im gesamten Unternehmen. Sie machte deutlich, dass es hier nicht um Gewinner und Verlierer ging, sondern um eine gemeinsame Zukunft.

Warum diese Übergabe ausgezeichnet wurde

Der M&A Award würdigte diese Transaktion nicht, weil alles reibungslos war – sondern weil Verantwortung ernst genommen wurde. Diese Übergabe zeigt, dass Familienunternehmen nicht daran scheitern, dass sie emotional sind. Sie scheitern, wenn Emotionen ignoriert werden.

Oder anders gesagt: Unternehmen überstehen Krisen. Was sie nicht überstehen, ist der Verlust ihres Herzschlags. Hennig hat diesen Herzschlag behalten – weil Loslassen hier nicht Aufgeben bedeutete, sondern Vertrauen.
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