M&A 2024: Sind wir bereit für eine neue Welle?
Nach dem Allzeittransaktionshoch, überraschenderweise mitten während der Pandemie im Dezember 2021, haben die zunehmenden geopolitischen Risiken, die nahezu zeitgleich beginnende Zinswende sowie Unsicherheiten aufgrund von so seit Jahren nicht mehr gesehenen Inflationszahlen und damit verbunden der Angst vor einer globalen wirtschaftlichen Rezession dazu geführt, dass das Transaktionsvolumen in Deutschland 2022 auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gefallen ist.
Nach dem Allzeittransaktionshoch, überraschenderweise mitten während der Pandemie im Dezember 2021, haben die zunehmenden geopolitischen Risiken, die nahezu zeitgleich beginnende Zinswende sowie Unsicherheiten aufgrund von so seit Jahren nicht mehr gesehenen Inflationszahlen und damit verbunden der Angst vor einer globalen wirtschaftlichen Rezession dazu geführt, dass das Transaktionsvolumen in Deutschland 2022 auf den niedrigsten Stand seit zehn Jahren gefallen ist. Angesichts der geschilderten Rahmenbedingungen kann dies niemanden verwundern, denn die Unsicherheiten sind vielfältig schlecht für M&A. Viele werden sich erinnern, dass Transaktionen, wie etwa die Übernahme der Dresdner Bank unmittelbar vor Beginn der Finanzkrise, meist keine glücklichen Entscheidungen waren. Dies unterstreicht die weit verbreitete Meinung, die allerdings nicht auf aktuelle empirische Untersuchung gestützt werden kann, dass M&A oftmals keinen Mehrwert schafft. Bei strategischen Investitionen kommt es dabei entscheidend auf das Untersuchungsdesign an, und wenn man strategische Ziele einbezieht, wie Erschließung neuer Märkte oder externes Wachstum, dann spricht doch vieles für einen überdurchschnittlichen Erfolg von M&A-Transaktionen.
Ein besonders guter Indikator für die Stimmung auf dem M&A-Markt ist dabei die Attraktivität für Börsengänge/IPOs. Hintergrund ist, dass IPOs in der Regel ein gut gewähltes Opportunitätsfenster benötigen, dazu eine nicht unerhebliche Zeit der Vorbereitung und sie letztendlich von der externen Bewertung leben. Unter diesem Gesichtspunkt war das Börsenjahr 2023 für Deutschland ein echtes Desaster. Nach dem Porsche-Coup im Herbst 2022 sahen wir nur noch drei Börsenneulinge im regulierten Segment, Nucera mit dem Zukunftsthema Wasserstoff, Ionos und Schott Pharma. Das entscheidende Menetekel war dann aber die Absage des Rüstungsproduzenten Renk, an sich in Deutschland ein schwieriges Thema, doch im Umfeld der aktuellen geopolitischen Krisen dann doch überraschend. Danach ging nichts mehr. Umso interessanter ist es jetzt, sich einmal die Pipeline anzuschauen. In Frankfurt stehen hier etwa Namen wie Douglas oder Galderma, beide im Eigentum von Finanzinvestoren, in den Startlöchern. Aber auch ein „Classico“ wie Techem oder aber ein “Newcomer” wie Flix Bus sind denkbar. Der damit einhergehende Optimismus, der vermutlich bei den Finanzinvestoren mit einer Dual-Track-Strategie abgesichert wird, ist jedenfalls ein gutes Zeichen. Backups dürften die Kursrally Ende 2023 sowie die allgemein erwartete Zinswende im Jahr 2024 sein. Hinzu kommen interessanterweise weitere positive Meldungen von kleineren Börsen wie etwa Lissabon oder Madrid, was den Vor- und den Nachteil des europäischen Marktes gegenüber der doch sehr stark auf die Wall Street fokussierten USA zeigt.
Ein wichtiger Faktor für einen M&A-Aufschwung dürften aber signifikant mehr Private-Equity-Deals sein. Die Finanzinvestoren haben noch aus den „goldenen Zeiten“ des Niedrigzinses viel Kapital („dry powder“) aufgehäuft und können – wenn die Bewertungen von Käufern und Verkäufern nach der Anpassungsphase letztes Jahr wieder zusammenfinden – den Markt spürbar beleben.
Spannend ist in dem Zusammenhang, welche Branchen - neben Tech in allen Varianten - diese Entwicklung vorantreiben werden. Vieles spricht für KI. Doch dabei wird man die weiteren Megatrends des Marktes im Auge behalten müssen, und das alles überragende Thema, nicht nur des nächsten Jahres, sondern der nächsten Dekade, ist ganz klar ESG, wobei dieses nicht nur auf das E für Environment reduziert werden darf.
Eines lehrt uns dabei die M&A-Wellentheorie des Gründungsherausgebers der M&A Review Günther Müller-Stewens: Gerade Änderungen grundlegender regulatorischer Rahmenbedingungen und neue Herausforderungen haben den Markt immer wieder zu Höhen getrieben. Insoweit spricht vieles für eine ESG-Welle.