12.03.2026 | Hadi Manesh

Origination ist tot, lang lebe Origination

Origination wird im Private-Equity-Alltag häufig darauf reduziert, proprietären Dealflow zu generieren. Diese Sicht greift im Jahr 2026 zu kurz.

Aktuelles Stichwort

Origination wird im Private-Equity-Alltag häufig darauf reduziert, proprietären Dealflow zu generieren. Diese Sicht greift im Jahr 2026 zu kurz. Systematische Origination entfaltet ihren Wert nicht nur vor dem M&A-Prozess, sondern entlang des gesamten Investmentzyklus – selbst dann, wenn ein Gespräch am Ende in einer M&A-Auktion mündet.

Wer Märkte kontinuierlich und strukturiert bearbeitet, verfügt früher über Kontext: über Geschäftsmodelle, Entscheidungslogiken, Eigentümerperspektiven und operative Bruchstellen. Dieses Vorwissen verschwindet nicht, nur weil ein Prozess formal wird – im Gegenteil. Investmentteams mit echter Marktverankerung gehen besser vorbereitet in Auktionen, priorisieren disziplinierter und treffen fundiertere Go-/No-Go-Entscheidungen. Origination ist kein Gegensatz zur Auktion, sondern deren Vorbereitungsschritt.

Diese Logik verschärft zugleich die Anforderungen an Investment Professionals. Eine sehr breite Ausrichtung kann die wahrgenommene Expertise beeinträchtigen. In fragmentierten Märkten mit inhabergeführten Targets entscheidet zunehmend Spezialisierung – etwa auf Branchen, Subsegmente oder Wertschöpfungslogiken. Nur wer einen Markt wirklich versteht, kann relevante Fragen stellen, Muster erkennen und als glaubwürdiger Gesprächspartner auftreten. Spezialisierung ist damit kein Nice-to-have mehr, sondern ein zentrales Erfolgskriterium für Private-Equity-Professionals.

Systematische Origination ist längst kein vorgelagerter Suchprozess mehr. Moderne Technologien ermöglichen bereits heute eine weitgehende Automation ehemals manueller Tätigkeiten, die durch den Einsatz künstlicher Intelligenz weiter beschleunigt wird. In Zukunft ist Origination vor allem eines: ein strategisches Asset, das Informationsvorsprung, Spezialisierung und Beziehungstiefe verbindet. Wer sie beherrscht, ist nicht nur schneller, sondern strukturell besser aufgestellt – unabhängig davon, wie ein Deal am Ende zustande kommt.

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