The M.A.D. View: Die Deutschen und die Bahn - es ist kompliziert (Wirklich?)
Beim Tischler zuhause quietschen die Türen, beim Installateur tropft der Wasserhahn. Die Farbe vom Garagentor blättert beim Maler und in Gärtners Garten ist das Unkraut bunter als die Rosen. Für daheim bleibt keine Zeit, weil man ja jede Minute für Präzision, Qualität und Zufriedenheit der Kundschaft aufwendet.
Beim Tischler zuhause quietschen die Türen, beim Installateur tropft der Wasserhahn. Die Farbe vom Garagentor blättert beim Maler und in Gärtners Garten ist das Unkraut bunter als die Rosen. Für daheim bleibt keine Zeit, weil man ja jede Minute für Präzision, Qualität und Zufriedenheit der Kundschaft aufwendet. So muss Handwerk.
So muss auch deutsche Industrie. Sonnenklar, dass deutsche Technologie die Schienen der Welt versorgt. Goldschmidt liefert Thermit, weltweit rattern Züge deswegen nicht mehr, sondern gleiten fugenlos. Züge von Siemens Mobility fahren für die österreichische Bahn tagein, tagaus präzise von Wien bis an den Bodensee und retour. Gut, es gibt da das sogenannte Deutsche Eck, das durchquert werden muss, da hapert‘s dann ein bisschen mit der Zuverlässigkeit. (Eventuell ist das aber auch nur eine willkommene Gratisentschuldigung für manche Hoppalas der ÖBB).
Es geht aber weiter in der Tonart. Mit dem Bau der Zulauftrassen zum Brennerbasistunnel in Bayern wird frühestens 2030 begonnen. Inzwischen haben sich Serena, Ida, Wilma, Olga und noch mehr über 50 km durch die Zentralalpen gebohrt. Woher stammen die kernigen Helferinnen? Aus Deutschland von Herrenknecht natürlich, es sind die Namen der Tunnelbohrmaschinen, die jetzt gerade die letzten Meter des längsten Tunnels der Welt fertigstellen.
Die gute Nachricht also: Die peinliche Performance Deutschlands beim Bauen und Erhalten seiner eigenen Verkehrsinfrastruktur folgt dem Handwerkerklischee. Alles für die Kunden, und die sind eben woanders.
Der weltweite Boom bei nachhaltiger Infrastruktur läuft mit massiver deutscher Beteiligung. Deutsche Unternehmen kaufen sich das nötige Wissen und Kompetenzen zu, wo sie findig werden, manchmal beim Nachbarn, manchmal am anderen Ende der Welt. Die eigentliche Handwerksarbeit ist nicht mehr nur Bohren und Schweißen, sondern Integrieren: 100 Jahre Erfahrung im Tunnel- und Anlagenbau treffen auf neue Werkstoffe, Sensorik, digitale Lösungen oder On-Site Services. Screenings in diesem Bereich finden fast immer ohne regionale Einschränkungen statt. Wer global bauen will, akquiriert global.
Die deutsche Industrie rettet also den Planeten, wenn auch der eigene Garten als Letztes drankommt. Vielleicht ist das auch wichtiger und besser so als umgekehrt.
Eure Mai Anh Dao
P.S.: Und ja, als oft von der DB im Stich Gelassene fiel es schwer, nicht noch mehr Sarkasmus einzubauen.