Corsair übernimmt Mehrheit an IDnow: Europäischer Identity-Champion im Entstehen
Fast jede Interaktion im digitalen Alltag erfordert heute einen Identitätsnachweis
Fast jede Interaktion im digitalen Alltag erfordert heute einen Identitätsnachweis – sei es die Kontoeröffnung, die Beantragung eines Kredits oder der Abschluss eines Mobilfunkvertrags. Betrugsfälle und Identitätsmissbrauch nehmen stetig zu. Gleichzeitig verlangt die EU mit der eIDAS-2.0-Regulierung und dem neuen AML-Paket ab 2026 deutlich strengere Anforderungen an die sichere digitale Identifizierung. Unternehmen, Behörden und Verbraucher stehen damit vor der gleichen Herausforderung: Identitäten müssen schnell, zuverlässig und grenzüberschreitend überprüft werden können.
Genau hier positioniert sich das Münchener Unternehmen IDnow, das im März vom Private-Equity-Investor Corsair Capital mehrheitlich übernommen wurde. Laut Branchenmedien liegt der Transaktionswert bei rund 295 Mio. USD (ca. 273 Mio. EUR). Das Unternehmen erzielte 2024 einen Umsatz von etwa 79 Mio. EUR und ist EBITDA-profitabel.
Gegründet im Jahr 2014 von Armin Bauer, Sebastian Bärhold, Dennis von Ferenczy und Felix Haas, bietet IDnow heute eine modulare Plattform für digitale Identitätsprüfung und Trust Services. Das Unternehmen deckt unterschiedliche Anwendungsfälle ab – von KI-gestützter Selfie-Biometrie über expertengeführte Video-Ident-Verfahren bis hin zu NFC-Ausweis-Checks und der qualifizierten elektronischen Signatur (QES). Im November 2024 erhielt IDnow zudem die Zulassung als Qualified Trust Service Provider (QTSP) nach eIDAS – ein entscheidender Schritt für die rechtssichere Abwicklung digitaler Verträge in Europa.
Mit mehr als 600 Unternehmenskunden und über 100 Millionen Verifikationen jährlich ist IDnow in zahlreichen regulierten Branchen präsent: Banken, Versicherer, FinTechs, Telekommunikation, Mobilität, Gaming oder Travel. So können Kunden beispielsweise in wenigen Minuten online ein Konto eröffnen, ihre Identität per Selfie-Video bestätigen und den Kreditvertrag mit einer QES rechtsverbindlich unterzeichnen – ohne Filiale oder Papier.
Frühere Investoren wie Corsair Capital (bereits 2019 als Minderheitsgesellschafter eingestiegen), BayBG, Seventure oder Giesecke+Devrient Ventures begleiteten IDnow in der Wachstumsphase. Unter ihrer Ägide setzte das Unternehmen auf eine Buy-&-Build-Strategie: 2020 wurde Wirecard Communication Services übernommen, gefolgt von Identity Trust Management (Deutschland) und ARIADNEXT (Frankreich) im Jahr 2021. Ergänzend erfolgte 2022 eine Fremdkapitalfinanzierung über 60 Mio. EUR, unter anderem durch BlackRock-Fonds, um weiteres Wachstum und Akquisitionen zu unterstützen. So entstand ein europaweit führender Anbieter mit breitem Produktportfolio.
Für Corsair bietet die Übernahme die Chance, IDnow als europäischen Champion im RegTech- und Identity-Markt zu etablieren – mit Potenzial für weitere Akquisitionen. Das bestehende Management um CEO Andreas Bodczek und Executive Chairman Felix Haas bleibt an Bord. Bodczek erklärte, die Partnerschaft mit Corsair stärke die Positionierung von IDnow, um die nächste Wachstums- und Innovationsphase einzuleiten. Angesichts der regulatorischen Rückenwinde durch eIDAS 2.0 und die AMLR gilt digitale Identifizierung als einer der zentralen Wachstumsmärkte der kommenden Jahre. Angaben zum Closing oder zu kartellrechtlichen Genehmigungsverfahren wurden bislang nicht veröffentlicht; es ist davon auszugehen, dass die Transaktion den üblichen regulatorischen Prüfungen unterliegt.
EMERGERS-Autor: Simon Zinser