Französische Banken kaufen sich in den deutschen Mittelstand ein
Binnen neun Tagen haben zwei französische Institute Zukäufe in Deutschland vereinbart: Crédit Agricole übernimmt die IKB Deutsche Industriebank, die BRED Banque Populaire das International- und Corporate-Banking-Geschäft von ODDO BHF. Beide Deals zielen auf dasselbe Segment, die Finanzierung des Mittelstands.
Zwei Vereinbarungen in kurzer Folge
Am Abend des 12. Oktober 2026 kündigte Crédit Agricole an, sämtliche Anteile an der IKB von Lone Star zu übernehmen. Einen Kaufpreis nannte die französische Bank nicht. Die IKB mit Sitz in Düsseldorf beschäftigt rund 600 Mitarbeitende und kam Ende 2025 auf eine Bilanzsumme von 14,3 Mrd. Euro sowie ein Kreditbuch von 8,2 Mrd. Euro. Davon sind rund 4,4 Mrd. Euro über Programme der KfW und anderer Förderbanken refinanziert. Der Jahresüberschuss 2025 lag bei 61 Mio. Euro.
Für Lone Star endet damit ein langes Engagement: Der Finanzinvestor hatte die IKB 2008 übernommen, nachdem sie 2007 als erste deutsche Bank in der Finanzkrise mit Staatshilfe gerettet worden war. Mehrere Verkaufsanläufe waren seither gescheitert. Der Vollzug steht unter dem Vorbehalt kartellrechtlicher Freigaben, einer Prüfung nach der EU-Verordnung über drittstaatliche Subventionen und der Zustimmung der EZB. Crédit Agricole rechnet mit einem Abschluss bis Ende des zweiten Quartals 2027 und finanziert den Kauf aus eigenen Mitteln.
Am 21. Oktober 2026 folgte die BRED Banque Populaire, eine der größten Genossenschaftsbanken Frankreichs und Teil der Groupe BPCE. Sie hat eine Vereinbarung zum Erwerb der International- und Corporate-Banking-Aktivitäten von ODDO BHF in Deutschland unterzeichnet. Auch hier stehen die üblichen behördlichen Genehmigungen noch aus. Rechtlich begleitet wurde die BRED von A&O Shearman. Nach eigenen Angaben betreut die BRED 1,7 Millionen Kunden, beschäftigt rund 7.300 Mitarbeitende und verfügt über ein konsolidiertes Eigenkapital von 7,7 Mrd. Euro.
Der Mittelstand als Zielmarkt
Die IKB ist seit ihrer Gründung 1924 auf Unternehmenskunden ausgerichtet. Das Deutschlandgeschäft von ODDO BHF geht im Kern auf die BHF Bank zurück, ein auf den Mittelstand spezialisiertes Institut, das die Pariser Oddo-Gruppe 2016 übernahm und 2017 unter der Marke ODDO BHF zusammenführte.
Crédit Agricole ordnet den IKB-Kauf als zentralen Baustein ihres Strategieplans ACT 2028 ein; Deutschland stehe im Zentrum der europäischen Ambitionen. Bereits eine Woche vor der IKB-Meldung hatte die Bank in Frankfurt den Einstieg ins deutsche Privatkundengeschäft mit Girokonten und Sparprodukten angekündigt. Bis 2027 will sie hierzulande als Vollbank auftreten.
Lange Präsenz französischer Häuser
Neu ist das Interesse nicht. BNP Paribas ist mit der Consorsbank im Privatkundengeschäft vertreten und gemeinsam mit der Société Générale traditionell im Investmentbanking und in der Großkundenfinanzierung aktiv. Crédit Mutuel übernahm 2008 die frühere Citibank Privatkunden AG und führt sie als Targobank. Die Targobank wiederum hat vor rund einem Jahr die Oldenburgische Landesbank übernommen, nach Informationen der Börsen-Zeitung für knapp 2 Mrd. Euro.
Konsolidierung unter politischer Beobachtung
Parallel läuft die größte Übernahmegeschichte im deutschen Bankensektor: Die italienische UniCredit hat sich nach einem Übernahmeangebot fast die Hälfte der Commerzbank-Aktien gesichert. Der Bund, der aus der Rettung in der Finanzkrise noch rund 12 Prozent hält, erwartet nach Aussage von Finanzminister Lars Klingbeil, dass die Commerzbank börsennotiert bleibt, ihren Sitz in Frankfurt behält und sich stark auf die Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen konzentriert.
Die französischen Zukäufe betreffen dagegen ein mittelgroßes Institut und einen einzelnen Geschäftsbereich. Gemeinsam ist allen Fällen der Fokus auf das Firmenkundengeschäft und die lange Strecke bis zum Vollzug: Kartell-, Subventions- und Bankenaufsicht prüfen parallel, im Fall der IKB sind bis zum erwarteten Closing gut acht Monate eingeplant.
Was das für den Markt bedeutet
Für mittelständische Unternehmen und Finanzinvestoren wächst die Zahl der Banken, die mit internationaler Bilanz um Firmenkunden und Akquisitionsfinanzierungen werben. Für Verkäufer von Bankbeteiligungen und Geschäftsbereichen zeigt der Oktober, dass es für deutsche Firmenkundenportfolios wieder strategische Käufer aus dem europäischen Ausland gibt, auch nach Jahren, in denen Verkaufsprozesse wie bei der IKB scheiterten.