EQT greift nach QIAGEN: Finanzinvestor bietet rund 10,8 Mrd. Euro für den DAX-Konzern
EQT bietet 46,50 Euro je Aktie fr QIAGEN und bewertet den DAX-Konzern mit rund 10,8 Mrd. Euro. Vorstand und Aufsichtsrat untersttzen das Angebot, der Vollzug ist fr Mitte 2027 geplant.
Der Finanzinvestor EQT will den Diagnostik- und Life-Science-Spezialisten QIAGEN übernehmen. Das Angebot von 46,50 Euro je Aktie in bar bewertet den DAX-Konzern mit rund 10,8 Mrd. Euro, Vorstand und Aufsichtsrat unterstützen die Transaktion. Mit dem Deal rückt ein Public-to-Private im obersten deutschen Börsensegment in Reichweite.
Das Angebot im Überblick
Am Abend des 21. Oktober 2026, nach Börsenschluss, gaben QIAGEN und EQT Private Equity ihre Einigung über ein empfohlenes freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot bekannt. Bieter ist die Crown NL BidCo B.V., eine Holdinggesellschaft, die indirekt vom Fonds EQT XI kontrolliert wird. Als Co-Investoren sind Luxinva S.A., eine Tochter der Abu Dhabi Investment Authority, und CPP Investment Board Europe, eine Tochter des Canada Pension Plan Investment Board, beteiligt.
Der Angebotspreis von 46,50 Euro je Aktie entspricht nach Angaben der Beteiligten einem Aufschlag von 40,3 Prozent auf den Schlusskurs vom 8. Juli 2026, dem letzten Handelstag vor ersten Marktberichten über eine mögliche Übernahme. Der Unternehmenswert liegt bei rund 10,8 Mrd. Euro beziehungsweise rund 12,1 Mrd. US-Dollar, einschließlich einer Nettoverschuldung von etwa 1,1 Mrd. US-Dollar. Das Handelsblatt zählt den Deal zu den größten Transaktionen im europäischen Gesundheitssektor.
Bedingungen und Zeitplan
Vorstand und Aufsichtsrat von QIAGEN empfehlen die Annahme des Angebots. Voraussetzung ist eine Mindestannahmequote von 50 Prozent des ausstehenden Grundkapitals plus einer Aktie, hinzu kommen die üblichen regulatorischen Freigaben. Den Vollzug erwarten die Parteien Mitte 2027. Bis dahin setzt QIAGEN die Prognose für das Gesamtjahr 2026 aus. Vorläufige Zahlen für das dritte Quartal veröffentlichte das Unternehmen parallel: Der Umsatz lag bei 548 Mio. US-Dollar und damit über den Markterwartungen von 536 Mio. US-Dollar, der vollständige Quartalsbericht folgt am 4. November.
Ein Ziel mit langer Vorgeschichte
QIAGEN ist eine in den Niederlanden ansässige Holdinggesellschaft und Anbieter von „Sample-to-Insight“-Lösungen, mit denen Kunden molekulare Informationen aus biologischen Proben gewinnen und auswerten. Das Unternehmen bedient nach eigenen Angaben mehr als 500.000 Kunden in Life Sciences und klinischer Diagnostik und beschäftigt rund 5.400 Mitarbeitende an mehr als 35 Standorten.
Nach Informationen des Handelsblatts hatte EQT das Unternehmen seit Jahren im Blick, konkrete Gespräche begannen im Sommer. Als Treiber gilt die verhaltene Kursentwicklung der vergangenen Jahre. Medienberichten zufolge hatten neben EQT weitere Finanzinvestoren Interesse signalisiert, genannt wurden unter anderem TPG und Bain Capital.
Reaktion am Kapitalmarkt
Die Aktie legte nach der Ankündigung um rund sechs Prozent zu und notiert damit nahe am Angebotspreis. JPMorgan stufte QIAGEN von „Overweight“ auf „Neutral“ ab und senkte das Kursziel von 55 auf 52 US-Dollar. Spekulation auf ein höheres Gebot findet damit wenig Nahrung, solange kein Wettbewerber auftritt.
Berater auf beiden Seiten
QIAGEN wird von Linklaters unter Leitung von Staffan Illert (Corporate/M&A) und Prof. Daniela Seeliger (Antitrust & Foreign Investment) beraten. Die Bieterseite um EQT begleitet Milbank beim Business Combination Agreement und beim Übernahmeangebot.
Was das für den Markt bedeutet
Für den deutschen Private-Equity-Markt ist der Fall ein Signal: Große Fonds und Staatsfonds als Co-Investoren sind bereit, auch DAX-Werte mit zweistelligem Milliardenwert von der Börse zu holen, wenn die Bewertung aus ihrer Sicht stimmt. Dazu passt der Befund der am 22. Oktober veröffentlichten Global Alternatives Survey von Goldman Sachs Alternatives: 84 Prozent der befragten Limited Partners wollen ihr Engagement in Private Markets halten oder ausbauen, achten aber stärker auf Ausschüttungen und die Auswahl der Manager. Ob QIAGEN zum Vorbild für weitere Take-Privates im Leitindex wird, hängt nun an der Annahmequote und an den Freigaben bis Mitte 2027.