19.10.2026 | Redaktion M&A REVIEW

Investitionsgipfel in Berlin: Was die Beteiligungsbranche von der Bundesregierung erwartet

Zum Invest in Germany Summit wirbt die Bundesregierung um internationales Kapital. BVK und ZIA legen sechs Forderungen vor. Für Private Equity und Venture Capital geht es um Fondsstandort, institutionelles Kapital und verlässliche Steuerregeln.

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Am 19. und 20. Oktober 2026 lädt die Bundesregierung zum Invest in Germany Summit nach Berlin. Gastgeber ist das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Veranstaltungsort die ESMT Berlin am Schlossplatz. Pünktlich zum Auftakt haben der Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) und der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) ein gemeinsames Forderungspapier vorgelegt. Die Botschaft: Wer privates Kapital nach Deutschland holen will, braucht wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und verlässliche Regeln.

Ein Gipfel nach dem Vorbild "Choose France"

Das Format orientiert sich laut einer Analyse der Kanzlei Freshfields am französischen Investorentreffen "Choose France". Angekündigt sind Bundeskanzler Friedrich Merz, Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, Finanzminister Lars Klingbeil und der Investitionsbeauftragte Martin Blessing. Als Co-Gastgeber aus der Wirtschaft nennt die Börsen-Zeitung unter anderem Roland Busch (Siemens), Christian Sewing (Deutsche Bank), Bettina Orlopp (Commerzbank) und Stefan Wintels (KfW). Kern des Programms ist ein mehrstündiges "Meet the Government" mit bilateralen Gesprächen und thematischen Deep-Dive-Sessions, darunter eine Runde zu Finanzierung und Investitionen unter Leitung des Finanzministers.

Nach Angaben der Börsen-Zeitung nehmen rund 200 Unternehmensvertreter teil, gut zwei Drittel davon Greenfield-Investoren, der Rest Finanzinvestoren. Konkrete Investitionszusagen sind bislang nicht öffentlich. Beim Vorgängerformat "Made for Germany" im Juni 2025 hatten gut 60 Unternehmen Investitionen von mehr als 600 Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Die Ausgangslage: eine Investitionslücke

Wie groß der Nachholbedarf ist, zeigt eine aktuelle Analyse von Allianz Research: Zwischen 2019 und 2025 sanken die Investitionen in Deutschland um 6,4 Prozent, während sie im übrigen Euroraum um 6,7 Prozent und in den USA um 20,2 Prozent zulegten. Die Lücke beziffern die Ökonomen auf rund 390 Milliarden Euro gegenüber Europa und bis zu 730 Milliarden Euro gegenüber den USA.

Sechs Forderungen von BVK und ZIA

Das Papier verbindet die Sicht der Beteiligungsbranche mit der der Immobilienwirtschaft. Für Private Equity und Venture Capital stehen vier Punkte im Vordergrund:

  • Institutionelles Kapital mobilisieren: Versicherungen und Versorgungswerken mehr Spielraum für Anlagen in Private Equity und Venture Capital geben, etwa bei Anlageverordnung und Solvency II.

  • Steuern wettbewerbsfähig gestalten: rechtssichere Steuerregeln für Private Equity- und Venture Capital-Fonds schaffen und die steuerliche Einordnung vermögensverwaltender Fonds klären.

  • Öffentliche Mittel als Hebel nutzen: die KfW als Ankerinvestor in Mittelstandsfonds stärken und über Dachfonds sowie öffentlich-private Instrumente zusätzliches privates Eigenkapital mobilisieren.

  • Bürokratie abbauen: Berichts- und Offenlegungspflichten für Fonds und Portfoliounternehmen vereinfachen und europäische Fondsvorgaben ohne nationale Sonderbelastungen umsetzen.

BVK-Vorstandssprecherin Ulrike Hinrichs fasst den Kern zusammen: Wer dieses Kapital nach Deutschland holen wolle, brauche "einen wettbewerbsfähigen Fondsstandort und verlässliche Regeln". Viele Verbesserungen seien nach Darstellung der Verbände ohne unmittelbare zusätzliche Haushaltsausgaben möglich. Die Immobilienwirtschaft ergänzt Forderungen zu Projektfinanzierung, Investitionsschutz und Wohnungsneubau.

Was die Regierung mitbringt

Einige Instrumente liegen bereits auf dem Tisch. Allianz Research verweist auf den Deutschlandfonds, der mit 30 Milliarden Euro an öffentlichen Garantien und Eigenkapital rund 130 Milliarden Euro privates Kapital mobilisieren soll. Mit dem Private Investment Pool will die Regierung laut Börsen-Zeitung private Investoren und Energieversorger zusammenbringen, ohne dabei Garantien zu übernehmen. Ab dem 1. Januar 2027 soll zudem das Altersvorsorgedepot starten, das nach Schätzung von Allianz Research über fünf Jahre rund 150 Milliarden Euro an den Kapitalmarkt lenken könnte. Die geplante Kapitalrente in der gesetzlichen Altersvorsorge ist in der Koalition dagegen noch umstritten.

Einordnung

Für die Beteiligungsbranche entscheidet sich der Erfolg des Gipfels weniger an Ankündigungen als an der Umsetzung. Erhalten Versicherer und Versorgungswerke mehr Spielraum, wird die steuerliche Behandlung von Fonds rechtssicher und bleibt die KfW als Ankerinvestor verlässlich, kann mehr Eigenkapital in Mittelstand, Wachstumsunternehmen und Nachfolgelösungen fließen. Den nächsten Gesprächstermin hat die Regierung laut Börsen-Zeitung bereits im Blick: Anfang 2027 beim Weltwirtschaftsforum in Davos.

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