Fremdkapital für die Glasfaser: Wie sich die Finanzierung des Netzausbaus neu sortiert
Die öGIG finanziert ihren Glasfaserausbau erstmals mit 225 Millionen Euro Fremdkapital. Der Deal steht für einen Markt, in dem Banken und Förderinstitute etablierte Netzbetreiber stützen, während kleinere Anbieter wie Metrofibre in die Insolvenz gehen und ihre Netze verkauft werden.
Die Österreichische Glasfaser-Infrastrukturgesellschaft öGIG hat ihre erste Fremdkapitalfinanzierung abgeschlossen: 225 Millionen Euro, bereitgestellt von BayernLB, KfW, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und Europäischer Investitionsbank. Beraten wurde die Allianz-Tochter von Hogan Lovells Cadwalader. Seit 2019 hatte die Allianz den Netzausbau ausschließlich mit Eigenkapital finanziert. Jetzt soll die Kreditlinie die Kapitalstruktur stärken und die nächste Wachstumsphase tragen.
Vom Eigenkapital zur Projektfinanzierung
Der Schritt folgt einem Muster, das sich im deutschsprachigen Glasfasermarkt seit einiger Zeit zeigt. In der Aufbauphase finanzieren Eigentümer wie Infrastrukturfonds, Versicherer oder Private-Equity-Häuser den Ausbau weitgehend aus Eigenkapital. Sobald genug Anschlüsse in Betrieb sind und Cashflows sichtbar werden, folgt die Fremdfinanzierung, häufig in Konsortien aus Geschäftsbanken und Förderinstituten.
Ein Beispiel aus Deutschland ist die GVG Glasfaser: Im Februar 2026 stockte sie eine bestehende Finanzierung um 135 Millionen Euro auf. Dem Konsortium gehörten ING, KfW, NORD/LB, HCOB, die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und ein institutioneller Investor an, ebenfalls beraten von Hogan Lovells. Auch die Europäische Investitionsbank ist im Markt aktiv: Der Deutschen Glasfaser stellte sie aus Mitteln des Programms InvestEU ein Darlehen über 350 Millionen Euro für den Ausbau in ländlichen Regionen bereit. Mit KfW, EIB und den Landesbanken sitzen damit regelmäßig öffentliche oder öffentlich getragene Institute mit am Tisch.
Die Kehrseite: Wenn Finanzierungspartner aussteigen
Wie empfindlich das Modell auf fehlende Anschlusskapitalgeber reagiert, zeigte im Mai 2026 der Fall Metrofibre. Die Düsseldorfer Gesellschaft und ihre Schwesterunternehmen stellten Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung, der FTTH-Ausbau wurde vorerst gestoppt. Laut Bericht von CRN hatten die Banken die Auszahlung eines Teildarlehens verweigert, Mehrheitsgesellschafter CVC lehnte eine weitere Finanzspritze ab. Die Schwester Ruhrfibre hatte sich 160.000 Haushalte in Essen vorgenommen und rund 100.000 erreicht.
Für die Netze folgte ein strukturierter Verkaufsprozess. Im Oktober 2026 meldete Dentons den Verkauf der Glasfaserinfrastruktur von ruhrfibre und metrofibre mit rund 87.000 Haushalten an die Telekom Deutschland im Wege eines Asset Deals. Das Beispiel zeigt, wie aus einem Finanzierungsproblem ein M&A-Fall wird.
Konsolidierung als Normalfall
Die Rahmenbedingungen haben sich spürbar verschoben. Die Zinsen für Ausbauprojekte liegen nach Einschätzung des Dienstleisters MPC Service heute bei 5 bis 6 Prozent, nach früher rund 2 Prozent. Hinzu kommt die geringe Nachfrage: Nach Branchenanalysen, die das Fachportal Dr. Web zitiert, liegt die Buchungsquote in Deutschland bei 27 Prozent und damit deutlich unter dem europäischen Schnitt von 55 Prozent. In einem Markt mit mehr als 300 aktiven Netzbetreibern gelten viele kleinere Anbieter als langfristig nicht überlebensfähig.
Gleichzeitig baut die Deutsche Telekom weiter aus. Anfang 2026 meldete sie 12,6 Millionen buchbare Glasfaseranschlüsse, davon 2,7 Millionen im Jahr 2025 neu erschlossen, und plant Investitionen von 30 Milliarden Euro bis 2030. Wer Netze mit stabilen Kunden, verlässlicher Kapitalstruktur und ausreichender Größe vorweisen kann, bekommt weiter Fremdkapital. Für die übrigen werden Verkauf, Zusammenschluss oder Insolvenz wahrscheinlicher.
Was das für Dealmaker bedeutet
Für Investoren und Berater ergeben sich daraus drei Schwerpunkte. Erstens gewinnen Refinanzierungen und Kreditaufstockungen bei etablierten Netzbetreibern an Bedeutung, oft unter Beteiligung von Förderbanken. Zweitens entstehen Distressed-Situationen, in denen Netze einzeln oder als Paket verkauft werden, häufig aus der Eigenverwaltung heraus. Drittens rückt die Frage in den Vordergrund, welche Eigentümer langfristig investiert bleiben: Ob Infrastrukturkapital wie bei öGIG durch Fremdkapital ergänzt oder durch einen Exit abgelöst wird, dürfte den Transaktionsmarkt für digitale Infrastruktur in den kommenden Jahren prägen.
Quellen: Pressemitteilung Hogan Lovells Cadwalader (20.10.2026, öGIG); Hogan Lovells (17.02.2026, GVG Glasfaser); heise online (EIB-Darlehen an Deutsche Glasfaser); CRN (29.05.2026, Metrofibre); mandaco Newsroom (Dentons, ruhrfibre/metrofibre); MPC Service (23.06.2026); Dr. Web (08.07.2026).