11.12.2025 | Alexander Griesmeier, Stefan Schneider

Lebenswerk Award für den Mittelstand: Warum Max Schaber zum Role Model moderner M&A-Strategie wurde

Als der Bundesverband M&A (BMA) am 8. Oktober 2025 den Lebenswerk Award an Max Schaber verlieh, war die Reaktion des Saals eindeutig: großer Applaus und viel Zuspruch für einen Unternehmer, der über vier Jahrzehnte hinweg gezeigt hat, wie professionell orchestrierte M&A-Strategien im Mittelstand aussehen können.

Spotlight

1. Einleitung

Als der Bundesverband M&A (BMA) am 8. Oktober 2025 den Lebenswerk Award an Max Schaber verlieh, war die Reaktion des Saals eindeutig: großer Applaus und viel Zuspruch für einen Unternehmer, der über vier Jahrzehnte hinweg gezeigt hat, wie professionell orchestrierte M&A-Strategien im Mittelstand aussehen können. Die Auszeichnung würdigt nicht nur die unternehmerische Laufbahn eines Gründers, sondern stellt ein seltenes Beispiel erfolgreicher, nachhaltiger Konsolidierung im deutschen IT-Sektor in den Mittelpunkt.

Für die deutsche M&A-Community – und insbesondere für mittelständische Entscheider – ist Schabers Weg ein Lehrstück. Seine Strategien zeigen, wie herausforderndes Wachstum, Nachfolge, Standardisierung und Internationalisierung gelingen können, ohne die kulturelle Identität eines Unternehmens zu verlieren. Gleichzeitig liefern sie einen Impuls für eine Branche, die sich oft zu zögerlich in Bezug auf Buy-and-Build-Modelle zeigt.

2. Ein Lebenswerk, das aus Disziplin, Anpassungsfähigkeit und kluger Kapitalallokation besteht

Schabers unternehmerische Reise beginnt nicht in der M&A-Welt, sondern im Maschinenbau. Doch sehr früh erkennt er, dass Software und IT-Services nicht nur technologisches Potenzial, sondern vor allem skalierbare Geschäftsmodelle bieten. Der erste große Rückschlag – der politisch bedingte Einbruch des Krankenhaussoftware-Geschäfts in den 1990er-Jahren – prägt ihn tief. Der Notverkauf zu einem schlechten Preis wird rückblickend zum Ausgangspunkt einer Philosophie, die sein Lebenswerk prägt:

Erfolg entsteht durch kluges Risikomanagement, klare Skalierungslogik und resilient finanzierte Strukturen. Diese Überzeugungen führen direkt zur Entstehung der DATAGROUP.

3. Der Aufbau eines Roll-up-Champions: Konsolidierung mit System

Ende der 1990er-Jahre bündelt Schaber die IT-Servicefunktionen seiner Firmen und erkennt das Potenzial eines bis dahin weitgehend unstrukturierten Markts: hunderte, oft lokale Systemhäuser zwischen zehn und zweihundert Mitarbeitenden, viele davon mit Nachfolgeproblemen, ineffizienten Prozessen und einem hohen Projektanteil.

Schaber professionalisiert, standardisiert – und nutzt dann das, was viele Mittelständler scheuen: eine dauerhaft angelegte, sauber gesteuerte Akquisitionsstrategie.

Zwischen 2007 und 2020 übernimmt DATAGROUP mehr als 20 IT-Services-Unternehmen. Doch Schaber wählt eine Integrationsstrategie, die sich bewusst von klassischen Private-Equity-Modellen unterscheidet:

  • Keine direkte PMI-Härte

  • Keine Synergiezwänge in den ersten Monaten

  • Keine Verschuldung im Target

Stattdessen erfolgt eine sanfte Integration, die im deutschsprachigen Mittelstand fast einzigartig ist. Die Übernahmen werden über mehrere Jahre in die interne Produktwelt überführt – immer entlang eines klaren, inhaltlichen Leitbilds: der sogenannten CORBOX, einem standardisierten Servicekatalog und Prozesshandbuch, das wie ein „Kochbuch für IT-Services“ funktioniert.

Dieses Modell schafft Stabilität, Qualität und Skalierbarkeit – und erklärt, warum Schaber eine außergewöhnlich hohe Erfolgsquote bei Akquisitionen vorweisen kann.

4. Finanzierung als Mittelstandskompetenz: Schuldscheine statt Target-Leverage

Ein weiterer Schlüssel zum Verständnis von Schabers Erfolg ist seine Finanzierungspolitik. Während viele Investoren auf LBO-Strukturen setzen, verfolgt DATAGROUP den entgegengesetzten Weg:

  • Akquisitionsschulden werden nicht ins Target gedrückt

  • Die Finanzierung erfolgt ausschließlich über die Holding.

  • Bereits früh setzt das Unternehmen auf Schuldscheindarlehen – zu einer Zeit, als dies in IT-Services noch unüblich war.

Der Vorteil: Die übernommenen Unternehmen starten nicht in einem bilanzseitig belasteten Zustand, sondern können sich unter stabilen Bedingungen weiterentwickeln. Für den Mittelstand ist dies ein Role Model, wie Buy-and-Build ohne operative Erdrückung funktionieren kann.

5. Übertragbarkeit der Strategie: Das Beispiel Databau

Dass Schabers M&A-Logik nicht an IT gebunden ist, zeigt sein zweites Roll-up: ein Glasfaser-Bauunternehmen, das in sieben Jahren auf über 200 Millionen Euro Umsatz wächst. Der gegenwärtig herausfordernde Markt – geprägt von stockender Nachfrage und wachsenden Außenständen – zeigt auch die Risiken zyklischer Roll-ups. Doch das Prinzip bleibt übertragbar: Schaber konsolidiert Märkte, indem er Strukturen, Governance und Prozesse harmonisiert – nicht durch operative Überformung.

Governance und Nachfolge: Professionalisierung als Voraussetzung für Wertsteigerung. Ein Aspekt, der in vielen mittelständischen M&A-Geschichten fehlt, ist die bewusste Gestaltung von Governance und Nachfolge. Schaber hat dies früh erkannt:

  • Er bereitet über Jahre die CEO-Nachfolge vor.

  • 2022 übergibt er operativ an Andreas Baresel.

  • Er zieht sich aus dem operativen Umfeld zurück, um „nicht als Muppet vom Balkon“ zu kommentieren, wie er selbst sagt.

Für den Mittelstand ist das ein wichtiger Impuls: Professionalisierung und Unabhängigkeit der zweiten Führungsebene sind Grundbedingung für nachhaltiges Wachstum und erfolgreiche M&A-Strategien.

6. Der Einstieg von KKR: Von der nationalen zur europäischen Perspektive

Der jüngste Schritt in Schabers Lebenswerk zeigt, wie strategische Weichenstellungen aussehen, wenn Wachstum über nationale Grenzen hinaus gedacht wird. Der Einstieg von KKR – über eine Kombination aus Teilverkauf und Einbringung der Mehrheitsanteile in ein gemeinsames Vehikel – verfolgt ein klares Ziel: DATAGROUP soll zu einem führenden europäischen IT-Services-Player entwickeln.

Treiber der Transaktion:

  • strukturelle Bewertungsunterschiede zwischen Europa und den USA,

  • Zugang zu globalem Kapital,

  • höhere Schlagkraft für große strategische Übernahmen,

  • Sicherung der Familiennachfolge und Erbschaftsstruktur,

  • langfristige Perspektive jenseits der Quartalslogik der Börse.

Der Deal ist noch nicht endgültig geclosed, doch er markiert einen Wendepunkt: Schabers Werk endet nicht mit dem Rückzug aus dem CEO-Amt, sondern öffnet den Weg in eine neue Ära europäischer Konsolidierung.

7. Fazit: Ein Unternehmerleben als Best Practice – und als Werbung für M&A

Mit der Verleihung des Lebenswerk Awards hat der BMA nicht nur einen Unternehmer geehrt, sondern eine Botschaft formuliert: Der deutsche Mittelstand braucht mehr mutige, professionelle M&A-Strategien.

Max Schaber zeigt exemplarisch:

  • wie Buy-and-Build langfristig Wert schafft,

  • wie Integration ohne Kulturbruch gelingt,

  • wie Finanzierung mittelstandsfreundlich strukturiert sein kann,

  • wie Nachfolge professionell organisiert wird,

  • und wie ein Mittelständler den Schritt zum europäischen Player wagt.

Sein Weg ist damit nicht nur ein Lebenswerk, sondern ein Signal: M&A ist kein Mittel zur Exit-Optimierung – sondern ein strategisches Werkzeug, das Mittelständler größer, stabiler und zukunftsfähiger machen kann.

triangle_left Previous
Hybride Bedrohungen, möglicher Spannungs- oder Bündnisfall – Zunehmende Risiken für Investoren und Unternehmen in Transaktionen
Next triangle_right
M&A Curriculum: Praxisnahes Lernprogramm für die nächste Generation von M&A Professionals