12.10.2026 | Redaktion M&A REVIEW

Refinanzierung, Unitranche, Term Loan B: Was die jüngsten Kreditdeals über den Finanzierungsmarkt verraten

Aus dem Netzwerk

Ein Term Loan B über 1,2 Mrd. Euro für Cheplapharm, eine Unitranche für den Einstieg von Maguar Capital bei Schlafender Hase, eine Finanzierung von Kartesia für die Konvekta Group: Die Deal-Meldungen der vergangenen Tage im M&A Newsroom zeigen, wie breit das Instrumentarium der Akquisitions- und Refinanzierung inzwischen aufgestellt ist. Die Marktdaten des ersten Halbjahres 2026 zeichnen dazu ein klares Bild: Refinanzierungen dominieren das Volumen, Private Debt hat im deutschen Mid-Market die Banken überholt, und die Preise für Leveraged Loans sind so niedrig wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht.

Refinanzierung als größter Treiber

Am syndizierten Markt für europäische Leveraged Loans lag das Emissionsvolumen im zweiten Quartal 2026 nach einer Auswertung von Carlsquare bei 32,5 Mrd. Euro, nach 31,2 Mrd. Euro im Vorjahresquartal. Größter Verwendungszweck waren Refinanzierungen mit 18,2 Mrd. Euro, nach 10,2 Mrd. Euro im ersten Quartal. M&A-bezogene Emissionen kamen im zweiten Quartal auf 9,7 Mrd. Euro und lagen damit leicht unter dem Vorquartal.

Der Befund knüpft an das Vorjahr an: Nach Daten, die White & Case ausgewertet hat, entfielen 2025 rund 80 Prozent der Aktivität am europäischen Leveraged-Loan-Markt auf Refinanzierungen, Repricings und Vertragsanpassungen. Emittenten nutzen das Marktfenster, um Laufzeiten zu verlängern und Konditionen zu verbessern, bevor die Fälligkeiten näher rücken.

Cheplapharm ist dafür ein Beispiel: Der neue Term Loan B mit sieben Jahren Laufzeit dient laut Mitteilung von Latham & Watkins der teilweisen Refinanzierung eines bestehenden, 2029 fälligen Term Loan B über 1,28 Mrd. Euro. Bereits zu Jahresbeginn hatte das Unternehmen Senior Secured Notes über 950 Mio. Euro mit Fälligkeit 2032 begeben.

Margen auf Tiefststand

Für Kreditnehmer ist das Umfeld günstig. Die durchschnittliche Marge aller europäischen Term Loans B lag Ende des zweiten Quartals 2026 laut LCD-Daten, die Carlsquare zitiert, bei 330 Basispunkten und damit so niedrig wie zuletzt im ersten Quartal 2008. Euro-Kredite im Single-B-Segment kamen im Schnitt auf 335 Basispunkte. Die All-in-Rendite für diese Kredite stieg wegen des Zinsumfelds dennoch leicht auf 5,81 Prozent, nach 5,64 Prozent im ersten Quartal. Die EZB hatte im Juni 2026 den Einlagensatz um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent angehoben.

Private Debt prägt den deutschen Mid-Market

Im mittelständischen Segment hat sich die Gewichtung zwischen Banken und Kreditfonds weiter verschoben. Nach dem MidCapMonitor von Houlihan Lokey für das erste Quartal 2026 stieg der Marktanteil der Debt Funds an PE-finanzierten Transaktionen in Deutschland auf 71 Prozent. Deutschland zählte neben Großbritannien und Frankreich zu den aktivsten Märkten für Unitranche-Finanzierungen. Europaweit erfasste Houlihan Lokey im ersten Quartal 108 abgeschlossene, PE-gestützte Fremdkapitalfinanzierungen, 35 Prozent weniger als im Schlussquartal 2025.

Die Deals der vergangenen Tage passen in dieses Bild. Bei der Übernahme einer Mehrheit an Schlafender Hase, einem Anbieter von Software zur Content- und Artwork-Verifizierung für die Pharma- und Medizintechnikindustrie, durch Maguar Capital stellt Kartesia als Senior-Kreditgeber eine Unitranche-Fazilität. Bei der Konvekta Group, Portfoliounternehmen von Verdane, finanzierte Kartesia nach Angaben von McDermott Will & Schulte über ein langfristiges Darlehen. Auch im Infrastruktur- und Energiesegment kommen Fonds zum Zug, etwa bei der von A&O Shearman begleiteten HoldCo-Finanzierung über 155 Mio. Euro für MaxSolar durch CIP.

Direct Lending: weniger Volumen, mehr Spezialfälle

Bemerkenswert ist, dass das Direct-Lending-Volumen trotz des hohen Marktanteils im Mid-Market zurückging. Carlsquare beziffert es für das erste Halbjahr 2026 auf 15,2 Mrd. Euro in 67 Transaktionen, nach 23,5 Mrd. Euro in 87 Transaktionen im ersten Halbjahr 2025. Private-Credit-Fonds sind demnach vor allem dort aktiv, wo Geschwindigkeit, Flexibilität oder Komplexität gefragt sind. Bei großvolumigen Refinanzierungen mit breiter Investorenbasis kehren Emittenten dagegen an den syndizierten Markt zurück, der mit niedrigen Margen lockt.

Was das für Dealmaker bedeutet

Für Käufer und Finanzinvestoren ist die Finanzierungsseite derzeit kein Engpass. Wer eine Transaktion vorbereitet, sollte beide Wege parallel prüfen: die Unitranche eines Kreditfonds mit hoher Abschlusssicherheit und schneller Umsetzung, und die syndizierte Struktur, die bei größeren Volumina günstiger sein kann. Für Portfoliounternehmen mit Fälligkeiten ab 2028 spricht das aktuelle Margenniveau dafür, Refinanzierungen nicht aufzuschieben. Offen bleibt, ob das M&A-getriebene Neugeschäft in der zweiten Jahreshälfte zu den Refinanzierungen aufschließt. Die Deal-Meldungen im M&A Newsroom liefern dafür laufend Hinweise.

triangle_left Vorherige
Investitionsprüfungsgesetz: Neue Schwellen und ein neuer Investorenbegriff für ausländische Käufer
Nächste triangle_right
Indische Käufer im deutschen Automotive-Engineering: Test- und Software-Know-how wird zum Übernahmeziel