Zinssenkungen, Deglobalisierung, geopolitische Unsicherheit und Aufschwung?!
Der M&A-Markt war mit einigen Hoffnungen ins Jahr 2024 gestartet, nachdem in den beiden Jahren zuvor – nach dem Allzeittransaktionshoch im Dezember 2021 – die Zahlen auf das Niveau von 2013 zurückgefallen waren.
Der M&A-Markt war mit einigen Hoffnungen ins Jahr 2024 gestartet, nachdem in den beiden Jahren zuvor – nach dem Allzeittransaktionshoch im Dezember 2021 – die Zahlen auf das Niveau von 2013 zurückgefallen waren. Doch die Ursachen für diesen Einbruch waren nicht verschwunden: volatile Zinsen, unberechenbare geopolitische Krisen sowie eine massive konjunkturelle Schwäche in wichtigen Volkswirtschaften, insbesondere in Deutschland.
Auch 2024 hielt einige Überraschungen bereit. Die deutsch-französische EU-Lokomotive kam zum Stillstand, da in beiden Ländern keine handlungsfähigen Regierungen existierten. In den USA brachte der Wechsel von der Biden- zur Trump-Administration eine neue, wenig berechenbare Politik und damit weitere Unsicherheiten. Gleichzeitig dominieren Deglobalisierungstendenzen und eine zunehmende USA-China-Konfrontation sowie neue „Ost-West“- und „West-Süd“-Konflikte die globale Agenda.
Trotz dieser Widrigkeiten gab es spektakuläre Transaktionen, die das Spektrum von M&A verdeutlichten. Aus deutscher Sicht besonders hervorzuheben sind der Verkauf von DB Schenker an DSV, Techem an Texas Pacific sowie die Übernahme von Covestro durch Adnoc aus Abu Dhabi. Letztere sorgte zwar für Diskussionen über einen „nationalen Ausverkauf“, bietet jedoch Potenzial für milliardenschwere Investitionen in Deutschland. Die Viessmann Generations Group investierte Erlöse aus ihrem 2023er Carrier-Deal in Gritec und Isoplus – Beispiele für die Verknüpfung von Nachhaltigkeit und Innovation. Gleichzeitig zeigt der Energiesektor, dass die Nachfrage nach Transformation und Konsolidierung ungebrochen ist. Die Synergien, die durch solche Investitionen entstehen, tragen wesentlich zu einem stabilen Wachstum bei.
Deutsche Familienunternehmen kooperieren zunehmend mit Private Equity, etwa im Joint Venture zwischen Oakley und Merz im FMCG-Sektor. Hier zeigt sich, dass Innovation und Tradition gewinnbringend verknüpft werden können. Der Staat spielte ebenfalls eine besondere Rolle: Die Ampelregierung bemühte sich um Kapitalmarktreformen durch die Zukunftsfinanzierungsgesetze, konnte diese jedoch nicht abschließen. Gleichzeitig griff der Staat in das M&A-Geschehen ein, etwa bei der Rettung der Meyer-Werft oder dem umstrittenen Verkauf eines Commerzbank-Aktienpakets, der Unsicherheit für den Mittelstand schürte. Diese Eingriffe wurden kontrovers diskutiert, zeigen jedoch auch die enge Verknüpfung zwischen Politik und Wirtschaft.
Nichtsdestotrotz bleibt Deutschland für Investoren attraktiv. Laut KPMG wird für 2025 eine Zunahme der Deals um über 50% erwartet. Die nächste M&A-Welle könnte durch Megatrends wie KI, Technologie, Ökologie sowie die Branchen Energie, Medtech und Biotech angetrieben werden. Besonders bemerkenswert ist hierbei der anhaltende Fokus auf nachhaltige Technologien und grüne Innovationen, die von staatlicher wie privater Seite gefördert werden.
Diese Entwicklungen verdeutlichen, wie eng geopolitische, wirtschaftliche und technologische Faktoren verknüpft sind. Sie schaffen Herausforderungen, aber auch Chancen – ein Spannungsfeld, das den M&A-Markt weiter beleben wird. Die Frage, wie diese Dynamiken langfristig genutzt werden können, bleibt spannend. Hier liegt die Aufgabe für Entscheider, Strategien zu entwickeln, die sowohl Stabilität als auch Wachstum fördern. Denn am Ende sind es solche Ansätze, die den Unterschied zwischen kurzfristigem Erfolg und nachhaltiger Entwicklung ausmachen.