Ankeraktionär-Wechsel bei Alloheim: TA Associates löst Nordic Capital beim größten privaten Pflegeheimbetreiber ab
Nach rund acht Jahren unter Nordic Capital bekommt die Alloheim Gruppe mit TA Associates einen neuen Ankeraktionr. Der Deal zeigt, wie Finanzinvestoren den deutschen Pflegemarkt nach Jahren der Zurckhaltung neu bewerten, und warum Buy-and-Build der zentrale Werthebel bleibt.
Die Alloheim Gruppe bekommt einen neuen Hauptgesellschafter: Die US-Beteiligungsgesellschaft TA Associates wird Ankeraktionär des Düsseldorfer Pflegekonzerns, Nordic Capital steigt nach rund acht Jahren vollständig aus. Der Deal zeigt, dass Finanzinvestoren stationäre Pflege nach Jahren der Zurückhaltung wieder als investierbares Segment sehen.
Der Deal: Was bekannt ist
Alloheim gab den Wechsel am 26. Oktober 2026 bekannt. Nordic Capital, seit 2018 an Bord, veräußert seine Beteiligung mit dem Closing vollständig. Der Vollzug steht unter dem Vorbehalt der üblichen regulatorischen Genehmigungen einschließlich der Fusionskontrolle und wird für das erste Quartal 2027 erwartet. Strategie, Management und operatives Geschäft sollen unverändert bleiben.
Einen Kaufpreis nannten die Beteiligten nicht. Die Börsen-Zeitung berichtet, der Unternehmenswert werde in Finanzkreisen auf rund 2 Mrd. Euro geschätzt, davon mindestens die Hälfte Schulden. Bemerkenswert ist der Prozess: Laut dem Bericht gab es keine Investmentbanken als Berater. Einen ersten Verkaufsanlauf mit UBS hatte Nordic Capital bereits 2021 gestartet, der Prozess kam damals jedoch zum Erliegen.
Rechtlich beraten wurde Alloheim von der Düsseldorfer Kanzlei ARQIS unter Federführung von Partner Dr. Jörn-Christian Schulze, der das Unternehmen seit 2008 begleitet. Parallel zum Gesellschafterwechsel hat das Team zwei Add-on-Akquisitionen für Alloheim begleitet: den Erwerb der Integra Gruppe mit neun Standorten, deren Betriebsimmobilien parallel der britische Immobilienfonds Elevation erwirbt, sowie den Kauf der ProCurand-Gruppe mit mehr als 30 Standorten.
Eine Plattform mit Buy-and-Build-Historie
Nach eigenen Angaben ist Alloheim Deutschlands größter privater Anbieter stationärer Pflege: mehr als 320 Senioren-Residenzen, 112 Standorte im Betreuten Wohnen, 36 ambulante Pflegedienste, rund 30.000 Mitarbeitende und mehr als 30.000 stationäre Pflegeplätze. Seit 2018 hat die Gruppe mehr als 160 Einrichtungen integriert, die Belegschaft hat sich in dieser Zeit mehr als verdoppelt. Den Umsatz beziffert die Börsen-Zeitung auf rund 2 Mrd. Euro, die EBITDA-Marge sei laut Fitch auf 10 % gestiegen, getragen von höheren Pflegesätzen und einer normalisierten Auslastung.
Auch die Finanzierung ist vorbereitet. CEO Steffen Hehner verweist auf eine im Frühjahr platzierte Anleihe über 925 Mio. Euro, mit der die Finanzierung bis ins nächste Jahrzehnt gesichert sei. Für einen Käufer reduziert das das Refinanzierungsrisiko in einem Sektor, in dem Verschuldung zuletzt mehrfach zum Problem wurde.
Der dritte Finanzinvestor in Folge
Alloheim ist ein klassischer Secondary-Fall. Star Capital verkaufte 2013 an Carlyle, Carlyle 2017 an Nordic Capital, damals laut Medienberichten für rund 1,1 Mrd. Euro. Nun folgt TA Associates. Die 1968 gegründete Gesellschaft aus Boston hat nach eigenen Angaben in mehr als 560 Unternehmen investiert und 65 Mrd. US-Dollar Kapital eingeworben. In Deutschland ist TA bislang vor allem mit Softwarebeteiligungen wie Doxis aufgefallen, ein Pflegeheimbetreiber ist für das Haus ein eher ungewöhnliches Investment.
Hehner ordnet den Deal in einen Stimmungswandel ein: In der Private-Equity-Branche habe sich der Blick der Investoren auf Pflegeheim-Investments zum Positiven verändert. Das ist bemerkenswert, denn die vergangenen Jahre waren von Rückschlägen geprägt: der Kurseinbruch bei Orpea 2022, die Übergabe von Emvia Living durch Chequers Capital an den Kreditgeber Ardian 2023 sowie mehrere Insolvenzen mittelgroßer Betreiber.
Marktumfeld: Konsolidierung aus Stärke und aus Not
Die Zahlen von PwC zeigen, dass der Pflegemarkt derzeit das aktivste M&A-Segment im Gesundheitswesen ist. Laut Transaktionsmonitor Gesundheitswesen gab es 2025 insgesamt 240 Transaktionen, davon 79 bei Pflegebetrieben, ein Höchststand. 30 dieser Deals waren Insolvenztransaktionen. Das Transaktionsvolumen bei Pflegeimmobilien stieg um 18 %. Anfang 2026 übernahm Domidep, kontrolliert von I Squared Capital, den Betreiber Vitanas.
Zugleich bleibt der Markt fragmentiert. Nach dem Betreiberranking von pflegemarkt.com für das Jahr 2024 kamen die 30 größten Betreiber zusammen auf nur 23,2 % der stationären Plätze. Für Plattformen wie Alloheim bleibt damit viel Raum für Zukäufe, zumal sich durch zentralen Einkauf und gemeinsame Verwaltung die Kosten je Einrichtung senken lassen. PwC-Partner Benjamin Schrödl verweist allerdings auf den Engpass: Das Betreiberrisiko bleibe der zentrale limitierende Faktor.
Was bedeutet das für den M&A-Markt?
Für den M&A-Markt sendet der Deal drei Signale. Erstens: Großvolumige Exits im Pflegesektor sind wieder möglich, wenn Plattform, Ergebnisentwicklung und Finanzierung stimmen. Zweitens: Buy-and-Build bleibt der zentrale Werthebel, wie die beiden parallel begleiteten Add-ons zeigen. Drittens: Die Trennung von Betrieb und Immobilie, wie bei Integra mit Elevation, bleibt ein gängiges Strukturierungsmuster. Ob TA Associates den Kurs beschleunigt, wird sich nach dem Closing im ersten Quartal 2027 zeigen.
Quellen: Pressemitteilung von Alloheim/Nordic Capital vom 26. Oktober 2026; Pressemitteilung von ARQIS vom 27. Oktober 2026; Börsen-Zeitung vom 26. Oktober 2026; altenheim.net vom 26. Oktober 2026; PwC, Transaktionsmonitor Gesundheitswesen, Pressemitteilung vom 28. Mai 2026; pflegemarkt.com, Ranking der Pflegeheimbetreiber (Ausgabe 2025); JUVE vom 8. Dezember 2017.