09.09.2026

Der Industrial & Automotive-Sektor im Umbruch

M&A-Dynamik zwischen Carve-outs, Technologieprämien und Restrukturierungslogik

Emergers

Der Markt für industrielle Güter und Automotive-Zulieferung im DACH-Raum befindet sich in einer tiefgreifenden Transformationsphase. Portfoliobereinigungen deutscher Industriekonzerne, der Investitionsschub im Bereich Automatisierung und Software-Defined Vehicles sowie die wachsende Präsenz chinesischer Investoren prägen drei klar abgrenzbare Peergroups.  

Der Sektor galt lange als stabiler Pfeiler der europäischen Industrielandschaft. Tiefe OEM-Zulieferer-Verflechtungen, hohe Kapitalintensität und eine fragmentierte Mittelstandsstruktur begrenzten historisch großvolumige Transaktionen. Seit 2023, mit deutlicher Beschleunigung ab 2025, überlagern sich drei Entwicklungen: die Veräußerung nicht-strategischer Assets zur Finanzierung der Elektrifizierung, der technologiegetriebene Investitionsschub in Industrial Automation und Software-Defined Vehicles sowie zunehmende Cross-Border-Aktivität chinesischer Investoren.  

Im Segment Automotive Suppliers & OEM-Carve-outs dominieren Portfoliobereinigungen. Continental vollzog 2025 mit der Abspaltung der Automotive-Sparte als AUMOVIO SE den profiliertesten Carve-out des Jahres (Umsatzziel über 24 Mrd. EUR) und bestätigte den geplanten Vollverkauf von ContiTech für 2026. BASF veräußerte die Mehrheit seines Coatings-Geschäfts an Carlyle und die Qatar Investment Authority für einen Enterprise Value von 7,7 Mrd. EUR (EV/EBITDA ca. 13x), dem höchsten Multiple einer deutschen Industrietransaktion in diesem Zyklus. HARMAN übernahm die ADAS-Sparte von ZF für 1,5 Mrd. EUR. Mutares SE positioniert sich als aktivster Turnaroundinvestor und erwarb das Engineering Thermoplastics Business von SABIC für 450 Mio. USD.  

Im Segment Industrial Automation & Industry 4.0 dominieren Minderheitsbeteiligungen mit Wachstumsprofilen. KKR erwarb im Mai 2025 rund 20% an ifm electronic (Umsatz ca. 1,5 Mrd. EUR, EBITDA-Multiple ca. 9-10x). Samsung Electronics übernahm FläktGroup aus dem Triton-Portfolio für rund 1,5 Mrd. EUR. Der PE-Anteil im Electronics & Electrical Equipment Sub-Sektor lag im ersten Halbjahr 2025 höher als in jedem anderen Industriebereich.  

Die Peergroups Cross-Border & chinesische Investoren sind die dynamischsten. Luxshare ICT erwarb 50,1% an Leoni AG für ca. 320 Mio. EUR (EV/Umsatz unter 0,1x, Leoni-Umsatz 5,46 Mrd. EUR). CATL betreibt drei Batterieprojekte in der EU mit über 11 Mrd. EUR Investitionsvolumen, darunter die Gigafactory Erfurt als Kernanlieferant für Mercedes-Benz. Bis 2026 planen chinesische Zulieferer mindestens 17 neue Produktionsstätten in Europa. Die Northvolt-Insolvenz vom Dezember 2024 hinterlässt ein strategisches Vakuum, das chinesische Hersteller strukturell füllen werden. Diese Gruppe erzeugt die höchste Transaktionskomplexität, insbesondere durch FDI-Screening und beihilferechtliche Prüfungen.  

Der Vergleich zeigt: Klassische Autoparts verharren bei ca. 6,4x EV/EBITDA, technologienahe Segmente wie Electrical Equipment handeln bei über 24x, eine fast vierfache Differenz innerhalb desselben Sektors. Technologiekompetenz, Automatisierungsexposure und Software-Defined-Vehicle-Nähe werden zu den zentralen Bewertungstreibern. Ob der Mittelstand die Transformation schnell genug vollzieht, bleibt die entscheidende strukturelle Variable der nächsten Jahre.  

EMERGERS Autoren: Denys Tereshchenko, Jannik Diersen  
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