KI im M&A-Prozess: Rechtliches Fundament für Effizienzgewinne
KI ist bei M&A-Transaktionen längst vom Effizienzversprechen zum praktisch eingesetzten Werkzeug entlang des gesamten Deal-Lifecycles geworden
KI ist bei M&A-Transaktionen längst vom Effizienzversprechen zum praktisch eingesetzten Werkzeug entlang des gesamten Deal-Lifecycles geworden. Besonders bei Marktanalysen, der Identifikation potenzieller Targets und der Due Diligence wird sie inzwischen breit eingesetzt.
Der größte Mehrwert von KI bei M&A-Transaktionen liegt derzeit in der schnelleren und strukturierteren Auswertung großer, teils ungeordneter Datenmengen. Insbesondere im Rahmen der Due Diligence hilft sie, Informationen schneller aufzubereiten, Red Flags früher sichtbar zu machen und Q&A-Prozesse gezielter vorzubereiten. Mit zunehmender Qualität und Standardisierung von Daten zeichnet sich ein nächster Entwicklungsschritt ab. Insbesondere ist der Einsatz von KI-Agenten in weiteren Phasen des Deal-Lifecycles – etwa bei der Post-Merger-Integration – absehbar.
Gerade bei Distressed M&A-Transaktionen werden die Stärken, aber auch Grenzen von KI deutlich. Unter hohem Zeitdruck können die Tools Analysen und Prozesse spürbar beschleunigen. Das kann dabei helfen, vor dem Eintritt haftungs- oder insolvenzrechtlich kritischer Schwellen schneller zu belastbaren Einschätzungen zu kommen. Zugleich wird der Nutzen von KI in diesem Umfeld durch teilweise lückenhafte, veraltete oder widersprüchliche Datengrundlagen begrenzt. So bleibt fachliche Expertise, branchenspezifisches Verständnis und eine abschließende Bewertung durch erfahrene Experten mittelfristig unverzichtbar. KI wird diese Kompetenzen ergänzen, aber nicht ersetzen.
Vor dem Hintergrund der aufgezeigten Vorteile darf jedoch nicht außer Acht gelassen werden, dass mit der Nutzung von KI-Tools zugleich rechtliche Anforderungen verbunden sind. Das betrifft vor allem den Schutz von personenbezogenen Daten und Geschäftsgeheimnissen. In der Praxis läuft der Informationsaustausch nämlich stets über digitale Datenräume. Das führte früher vor allem zu Risiken durch unberechtigte Zugriffe oder die gezielte Weitergabe von Inhalten. Heute rückt dagegen insbesondere das unreflektierte Einspeisen von sensiblen Transaktionsdaten in KI-Systeme in den Fokus, die öffentlich zugänglich und deren Datenverarbeitungs- und Speichermechanismen für Nutzer häufig nicht hinreichend nachvollziehbar sind.
Dem muss durch die Etablierung moderner Datenraumregeln begegnet werden. Zum einen bedarf es klarer Regelungen zum Umgang mit sensiblen Informationen bei der Nutzung externer KI-Systeme. Zum anderen kann es praktisch notwendig sein, besonders sensible Informationen durch technische oder organisatorische Maßnahmen vor automatisierter Verarbeitung durch KI-Tools abzuschotten – vor allem wenn sie sich besonders gut für KI-basierte Analyse eignen. Sinnvoll sind darüber hinaus vertragliche Verpflichtungen zur Dokumentation der eingesetzten Tools, zur Löschung von Eingaben und zur Beschränkung auf freigegebene Arbeitsumgebungen. Werden solche Maßnahmen nicht getroffen, kann der rechtliche Schutz von Geschäftsgeheimnissen entfallen, und von „Leaks“ betroffene Personen können Schadensersatzansprüche geltend machen. Somit gilt: Je sensibler die Transaktion, desto stärker sollte eine Abschottung des Datenraums sowohl technisch gestaltet als auch vertraglich reglementiert sein.
Die bloße Anwendung von KI-Tools bei M&A-Transaktionen wird langfristig keinen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil mehr begründen, sondern zur marktüblichen Praxis avancieren. Es ist abzusehen, dass dann eine Refokussierung auf fachliche Expertise, menschliches Urteilsvermögen und die Fähigkeit stattfinden wird, KI rechtlich kontrolliert und fachlich belastbar in kritischen Transaktionssituationen einzusetzen. Praxistaugliche rechtliche Vorkehrungen bilden hier das Fundament, auf dem Reputationsschäden sowie Haftungsfolgen vermieden werden und Effizienzgewinne entstehen können.