09.09.2026 | Dr. Mai Anh Dao

The M.A.D. View: Die Industrie – dein Freund und Helfer

The M.A.D. View - Die M&A Kolumne

Kolumne

England hat Nelson, Schottland Robert the Bruce. Frankreich Michelin-Sterne, und Italien isst jeden Tag toll. Die Österreicher singen täglich Mozartarien und die Schweiz schießt ihren Kindern Äpfel vom Kopf. Polen war richtig lange Papst, und in Tschechien wurden Habsburger aus dem Fenster geworfen. Niederlande essen Joppiesaus, und Belgien hat so viel gutes Bier, man muss bereits zum Frühstück anfangen. Dänemark hat Grönland und Liechtenstein nur weißes Geld.

Einmal rundherum, und wir Deutschen sind in allen Nationalstolzdisziplinen nur im geschlagenen Feld. Helgoland ist nicht Grönland, Papst waren wir nicht mal ein Drittel so lang, und Beethoven ist angeblich auch Österreicher. Bei Feldherren hätten wir besser gar nicht mitgemacht, und zum Essen fahren wir inklusive Liegenbesetzhandtuch nach Italien und Mallorca.

Aber eines kann uns keiner nehmen, und das ist die pure Lust am Leben ... und zwar am Industrieleben! Da sind wir nicht nur wer, sondern da sind wir wirklich wir. Nichts macht uns einzigartiger und erfolgreicher als unsere Liebe zur Industrie. Wenn die Industrie sagt, sie habe Schnupfen, hat Deutschland Grippe, und wenn sie mal grinst, krümmen wir uns alle am Boden vor Lachen und Freude.

„Dadurch gewinnt auch unsere Industrie, die wir systematisch stärken werden: den Maschinen-, Anlagen- und Werkzeugbau, die Luft- und Raumfahrt, die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie, Chemie und Pharma, die Medizintechnik und natürlich unsere Leitbranche, die Automobilwirtschaft.” Das sagt nicht der BDI-Chef, sondern niemand anderes als Cem Özdemir. Die Schwaben sagen natürlich Induschtrie, korrekterweise. Wir sind Induschtrie.

Religiös seit 500 Jahren gespalten, sprachlich alles andere als homogen, staatlich gemeinsam erst seit gut 150 Jahren, und davon über 40 nicht. Vor der Industrie gab es nichts, was Deutschland zusammenbrachte. Und diese Rolle behielt sie bis heute.

Der vermeintliche Sarkasmus der Kolumnistin war vielleicht gar keiner. Die Fähigkeit der deutschen Industrie, nicht nur große Konzerne zu bauen, sondern ganze Ökosysteme von Supply Chains, ist wirklich beispiellos und eine genuin deutsche Errungenschaft. Den etwas zu oft beschworenen Hidden Champion aus Unterdiddelbach, der in den letzten 30 Jahren in mehr als 40 Länder expandierte und dabei 15 Firmen akquirierte, den gibt es wirklich. Nicht als ruhmreicher Einzelfall im Schwabenländle, sondern bundesweit verbreitet.

Spielt M&A eine Rolle, und kann man eigentlich eine M&A-Besonderheit der deutschen Industrie erkennen? Tatsächlich ja. Strategie vor Opportunismus, selber suchen statt sich von Investmentbanken füttern lassen, selber anrufen statt anonyme Kontaktaufnahme. Das ist in der deutschen Industrie viel, viel weiter verbreitet als bei der ausländischen Konkurrenz. Und so baut man Schritt für Schritt aus Unterdiddelbach einen Global Player.

Auch wenn wir Deutschen unsere Liebe zur Industrie manchmal gar ein bisschen übertreiben, konstatiere ich: zu Recht.

Eure Mai Anh

P.S.: Luxemburg wurde bewusst ausgelassen. Keine Witze über Luxemburg. Mit denen legt man sich nicht an. Sonst übernimmt RTL die M&A Review, und vorbei ist es mit M.A.D. View.

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